Ein Elko verzeiht vieles, aber keinen Einbau mit falscher Polarität. Deshalb ist die wichtigste Information auf seinem Gehäuse nicht die Kapazität, sondern die Markierung, die dir sagt, wo Plus und Minus sind – und die sieht je nach Bauform völlig anders aus. Die Grundregeln stehen unter Kennzeichnung von Kondensatoren: Minus-Streifen am Alu-Elko, Balken am Pluspol beim Tantal. Dieser Artikel geht weiter: Er erklärt alle Zeilen auf einem Elko-Becher, die Kurzcodes auf SMD- und Tantal-Elkos und die Polaritätsmarken jeder Bauform, inklusive der Fallen. Wie die Bauteile selbst funktionieren, steht unter Elektrolytkondensator.
Der Aufdruck auf dem Becher
Bedrahtete Aluminium-Elkos haben genug Platz für Klartext. Ein typischer Becher trägt:
- Hersteller und Serie, etwa ein Logo und „FR“ oder „ZLH“. Die Serie ist wichtig: Erst sie verrät ESR, Rippelstrom und Lebensdauer.
- Kapazität in µF, etwa „470µF“, oft mit Toleranzbuchstabe „M“ für ±20 % oder in Klammern „(M)“.
- Nennspannung, etwa „25V“ – die höchste Dauergleichspannung.
- Höchsttemperatur, meist „85°C“ oder „105°C“, bei Spezialtypen 125 °C oder 150 °C.
- Minus-Streifen mit Minuszeichen an der Seite des Minusanschlusses.
- oft ein Datumscode aus Ziffern oder Buchstaben, der Jahr und Woche oder Monat kodiert; das Schema ist herstellerspezifisch.
Industrielle Elkos tragen zusätzlich die Klimakategorie wie „40/105/56“ (−40 °C bis +105 °C, 56 Tage Feuchteprüfung) oder die Lebensdauer, etwa „105°C 5000h“. Was diese Zahl für dein Gerät bedeutet, rechnest du mit der 10-Kelvin-Regel unter Aluminium-Elko aus.
Kurzcodes auf SMD-Elkos
Auf den Deckel eines SMD-Aluminium-Elkos (Becher auf Kunststoffsockel) passen nur wenige Zeichen. Üblich sind:
- Kapazität im Klartext in µF, etwa „47“ oder „100“,
- dazu die Spannung als Zahl („16V“) oder als Kennbuchstabe.
Für den Kennbuchstaben gibt es keine einheitliche Tabelle. Viele japanische Hersteller verwenden den Buchstaben aus dem bekannten Spannungscode, etwa J für 6,3 V, A für 10 V, C für 16 V, E für 25 V, V für 35 V und H für 50 V. Andere Hersteller vergeben dieselben Buchstaben für andere Spannungen. „47 C“ kann also 47 µF/16 V bedeuten – muss aber nicht. Im Zweifel hilft nur das Datenblatt der Serie oder eine konservative Annahme.
Tantal- und Polymer-Chips
Vergossene SMD-Chips aus Tantal oder Polymer tragen meist einen Zahlencode wie Keramikkondensatoren, das Ergebnis in Pikofarad:
Dahinter oder darunter steht die Spannung, als Zahl oder als Buchstabe. Typische Beispiele:
| Aufdruck | Bedeutung |
|---|---|
| 107 10 | 100 µF, 10 V |
| 475 25 | 4,7 µF, 25 V |
| 226 C | 22 µF, Spannung nach Buchstabencode (oft 16 V) |
| 336 6.3 | 33 µF, 6,3 V |
Der Balken auf dem Chip markiert bei Tantal- und Polymer-Chips den Pluspol – genau umgekehrt zum Alu-Elko. Bei den kleinsten Gehäusen bleibt manchmal nur ein zweistelliger Code aus Buchstabe und Ziffer übrig; dann brauchst du die Markierungstabelle des Herstellers. Mehr über Tantal steht unter Tantal-Elko.
Polaritätsmarken nach Bauform
| Bauform | Markierung | markierter Pol |
|---|---|---|
| Alu-Elko radial | heller Streifen mit Minuszeichen, kürzeres Bein | Minus |
| Alu-Elko axial | Streifen mit Pfeilen, die zum Minusende zeigen; Becher ist Minus, Plusseite hat einen Gummiverschluss | Minus |
| Alu-Elko SMD (V-Chip) | schwarzer Halbmond oder Balken auf dem Deckel; der Sockel hat an der Plusseite abgeschrägte Ecken | Minus (Deckel), Plus (Sockel) |
| Snap-in | Streifen mit Minuszeichen, manchmal zusätzlicher Blindstift | Minus |
| Tantal-Chip, Polymer-Chip | Balken oder abgeschrägte Kante | Plus |
| Tantal-Perle | Pluszeichen, längeres Bein | Plus |
| bipolarer Elko | „BP“ oder „NP“, keine Polaritätsmarke | – |
Beim axialen Elko ist der Becher mit dem Minusanschluss verbunden; die Plusseite erkennst du am Gummistopfen, durch den der Draht isoliert herausgeführt ist.
Praxistipps
- Bestückungsdruck prüfen: Vergleiche nach dem Löten jeden Elko mit dem Bestückungsdruck der Platine, bevor du Spannung anlegst.
- Gefälschte Elkos: Billige Nachbauten bekannter Marken erkennst du oft an unplausiblen Werten – zu kleine Becher für die angegebene Kapazität und Spannung. Kauf Elkos bei seriösen Distributoren.
- Alte Lagerware: Ein Datumscode, der viele Jahre zurückliegt, deutet auf nachzuformierende Elkos hin (siehe Aluminium-Elko).
- Unleserliche Aufdrucke: Die Kapazität kannst du messen, die Spannungsfestigkeit nicht. Schätze sie konservativ anhand der Bauform und ersetze im Zweifel.
Selbsttest
Was markiert der helle Streifen auf einem radialen Alu-Elko?
Den Minuspol.
Was bedeutet „226 16“ auf einem Tantal-Chip?
22 · 10⁶ pF = 22 µF, 16 V; der Balken markiert den Pluspol.
Woran erkennst du den Pluspol eines SMD-Alu-Elkos, wenn der Deckel verkratzt ist?
An den abgeschrägten Ecken des Kunststoffsockels auf der Plusseite.
Warum kannst du dich beim Kennbuchstaben für die Spannung auf SMD-Elkos nicht blind verlassen?
Die Hersteller verwenden unterschiedliche Tabellen; derselbe Buchstabe kann verschiedene Spannungen bedeuten.
Wie ist ein bipolarer Elko gekennzeichnet?
Mit „BP“ oder „NP“ und ohne Polaritätsmarke.