Bei Kondensatoren gibt es keinen einheitlichen Code wie die Farbringe beim Widerstand. Je nach Bauform findest du Klartext („470 µF 25 V“), einen dreistelligen Zahlencode („104“), eine Schreibweise mit Vorsatz als Komma („4n7“) – oder überhaupt nichts. Dieser Artikel zeigt, wie du die üblichen Aufdrucke liest und woran du die gefährlichste Information erkennst: die Polarität gepolter Kondensatoren.
Klartext bei Elkos
Aluminium-Elektrolytkondensatoren sind groß genug für eine vollständige Beschriftung. Auf dem Becher stehen meist:
- die Kapazität, etwa 470 µF,
- die Nennspannung, etwa 25 V – die höchste Gleichspannung, die dauerhaft anliegen darf,
- die höchste Betriebstemperatur, meist 85 °C oder 105 °C,
- ein Minus-Streifen an der Seite des Minuspols.
Bei neuen, bedrahteten Elkos ist außerdem das Minusbein kürzer. Bei SMD-Elkos (dem kleinen Alu-Becher auf schwarzem Sockel) markiert ein dunkler Balken oder Halbmond auf der Oberseite den Minuspol.
Dreistelliger Zahlencode
Kleine Keramik- und Folienkondensatoren tragen oft drei Ziffern. Die ersten beiden sind die Ziffern, die dritte gibt die Zahl der Nullen an – das Ergebnis ist in Pikofarad:
| Aufdruck | Rechnung | Kapazität |
|---|---|---|
| 101 | 10 · 10¹ pF | 100 pF |
| 102 | 10 · 10² pF | 1 nF |
| 103 | 10 · 10³ pF | 10 nF |
| 104 | 10 · 10⁴ pF | 100 nF |
| 474 | 47 · 10⁴ pF | 470 nF |
| 105 | 10 · 10⁵ pF | 1 µF |
| 220 | 22 · 10⁰ pF | 22 pF |
| 22 | – | 22 pF |
Vorsicht bei kleinen Werten: Zweistellige Aufdrucke wie „22“ meinen direkt 22 pF. Bei „220“ ergibt der Code 22 · 10⁰ pF = 22 pF – manche Hersteller drucken damit aber schlicht 220 pF, und vierstellige Zahlen wie „3300“ sind ohnehin direkt in pF gemeint. Ein Blick in die Größenordnung – ein kleiner Scheibenkondensator hat selten 220 pF in einem riesigen Gehäuse – hilft beim Einordnen. Die Einheitenvorsätze Piko, Nano und Mikro liegen jeweils um den Faktor 1000 auseinander.
Vorsatz als Komma, Toleranz- und Spannungscode
Ähnlich wie bei Widerständen („4k7“) steht bei Kondensatoren der Vorsatz oft an der Stelle des Kommas: 4n7 = 4,7 nF, 2µ2 = 2,2 µF, p68 = 0,68 pF, µ1 = 0,1 µF. Steht nur eine Zahl ohne Einheit da, hilft das Komma: Ohne Dezimalpunkt („3300“, „47“) ist meist Pikofarad gemeint, mit Dezimalpunkt („0.47“, „.033“) Mikrofarad – das findest du vor allem auf Folienkondensatoren. Auf Folienkondensatoren findest du danach häufig einen Toleranzbuchstaben und die Spannung, etwa „104K 100V“ oder „2A104J“.
| Buchstabe | unter 10 pF | ab 10 pF |
|---|---|---|
| B | ± 0,1 pF | – |
| C | ± 0,25 pF | – |
| D | ± 0,5 pF | ± 0,5 % |
| F | ± 1 pF | ± 1 % |
| G | ± 2 pF | ± 2 % |
| H | – | ± 2,5 % |
| J | – | ± 5 % |
| K | – | ± 10 % |
| M | – | ± 20 % |
| P | – | + 100 / − 0 % |
| S | – | + 50 / − 20 % |
| Z | – | + 80 / − 20 % |
| Spannungscode | 1H | 2A | 2E | 2G | 2J |
|---|---|---|---|---|---|
| Nennspannung | 50 V | 100 V | 250 V | 400 V | 630 V |
Bei sehr kleinen Kapazitäten ergibt eine Prozentangabe wenig Sinn – dort gelten B, C, D, F und G als absolute Abweichung in pF. Die stark unsymmetrischen Toleranzen wie Z findest du bei billigen Keramik- und Elektrolytkondensatoren, bei denen es nur auf „mindestens so viel“ ankommt.
Keramik: Klasse und Dielektrikum
SMD-Keramikkondensatoren (MLCC) tragen fast nie einen Aufdruck – den Wert erfährst du nur von der Rolle, aus der Stückliste oder durch Messen. Im Datenblatt und auf der Rolle steht aber das Dielektrikum, und das ist mindestens so wichtig wie die Kapazität:
| Code | Klasse | Temperaturbereich | Kapazitätsänderung | Einsatz |
|---|---|---|---|---|
| C0G (NP0) | 1 | −55 … +125 °C | 0 ± 30 ppm/K | Filter, Oszillatoren, Zeitglieder |
| X7R | 2 | −55 … +125 °C | ± 15 % | Abblocken, Koppeln |
| X5R | 2 | −55 … +85 °C | ± 15 % | Abblocken, große Kapazität auf kleinem Raum |
| Y5V | 2 | −30 … +85 °C | + 22 / − 82 % | nur unkritische Zwecke |
Bei den Klasse-2-Codes steht der erste Buchstabe für die untere Temperatur (X = −55 °C, Y = −30 °C), die Ziffer für die obere (5 = +85 °C, 7 = +125 °C), der letzte Buchstabe für die zulässige Änderung über diesen Bereich.
Tantal und andere Sonderfälle
Tantal-Elkos sind die große Ausnahme bei der Polaritätsmarkierung: Der Balken auf dem SMD-Gehäuse markiert hier den Pluspol. Bei bedrahteten Tantal-Perlen steht ein „+“ am Pluspol. Tantal verzeiht Verpolung und Überspannung besonders schlecht und kann dabei in Brand geraten.
Ältere Keramik- und Tantalkondensatoren findest du noch mit Farbpunkten oder -ringen. Die ersten beiden Farben sind wie beim Widerstand Ziffern, die dritte ist der Multiplikator – bei Keramik in pF, bei Tantal-Perlen meist in µF. Weitere Farben stehen für Toleranz oder Nennspannung, und genau diese Zuordnung unterscheidet sich von Hersteller zu Hersteller. Ohne die passende Tabelle des Herstellers bleibt dir hier nur das Nachmessen.
Funkentstörkondensatoren für Netzspannung tragen zusätzlich eine Sicherheitsklasse wie X2 oder Y2. Sie dürfen nur durch gleichwertige Typen ersetzt werden. Mehr über das Verhalten im Stromkreis steht unter Kondensator im Gleichstromkreis und kapazitiver Blindwiderstand.
Selbsttest
Welche Kapazität hat ein Kondensator mit dem Aufdruck 473?
47 · 10³ pF = 47 000 pF = 47 nF.
Wie erkennst du den Minuspol eines bedrahteten Aluminium-Elkos?
Am Streifen mit Minuszeichen auf dem Becher und am kürzeren Bein.
Was markiert der Balken auf einem SMD-Tantal-Kondensator?
Den Pluspol – anders als beim Aluminium-Elko.