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Bauteilkennzeichnung im Schaltplan (R1, C3, U2)

Was Referenzbezeichner wie R1, C3 oder U2 bedeuten, welche Buchstaben üblich sind und wie sie Schaltplan, Stückliste und Platine verbinden.

6 Min. LesezeitReferenzbezeichnerBauteilkennzeichnungAnnotierenR1

Jedes Bauteil im Schaltplan trägt einen kurzen Namen: R1, C3, U2, D5. Dieser Referenzbezeichner (englisch reference designator) ist der Schlüssel, der alle Unterlagen eines Geräts zusammenhält. Im Schaltplan steht er neben dem Symbol, in der Stückliste in der ersten Spalte, auf der Platine im weißen Bestückungsdruck neben den Lötflächen. Wer bei der Fehlersuche „R12 ist zu heiß“ sagt, meint auf allen drei Ebenen genau dasselbe Bauteil.

R12 im Schaltplan, in der Stückliste und im Bestückungsdruck der Platine
Dieselbe Referenz auf drei Ebenen: R12 verbindet Symbol, Stücklistenzeile und Bauteil auf der Platine.

Aufbau: Buchstabe und Nummer

Ein Referenzbezeichner besteht aus einem Präfix, das die Bauteilart nennt, und einer laufenden Nummer. Die Nummer hat keine Bedeutung außer der Eindeutigkeit – R1 ist nicht wichtiger als R27. Bauteile mit mehreren gleichen Funktionseinheiten, etwa ein Vierfach-Operationsverstärker oder ein IC mit vier NAND-Gattern, bekommen einen Buchstaben für die Einheit: U1A, U1B, U1C, U1D sind vier Teile desselben Chips.

Kleiner Schaltplan mit R1, C1 und D1, jeweils mit Referenz und Wert
Im Schaltplan stehen Referenz (blau) und Wert nebeneinander: R1 mit 330 Ω, C1 mit 100 nF, D1 als rote LED.
Vier NAND-Gatter U1A bis U1D und eine Versorgungseinheit U1E aus einem 74HC00
Ein 74HC00 im Schaltplan: vier Gatter U1A bis U1D und eine fünfte Einheit U1E mit den Versorgungsanschlüssen.

Die üblichen Präfixe

Die Buchstaben sind historisch gewachsen. Die Norm IEEE 315 (USA) und die europäische IEC 81346 unterscheiden sich in einigen Punkten; in der Praxis – auch in den meisten Bauteilbibliotheken – haben sich diese Präfixe durchgesetzt:

PräfixBauteilAbweichungen
RWiderstandRV oder VR für Potentiometer
CKondensator
LSpule, DrosselFB für Ferritperlen
DDiode, LED, Z-Diodeauch LED; V in alten deutschen Plänen
QTransistor (bipolar, MOSFET)T oder V in älteren deutschen Plänen, K nach IEC 81346
Uintegrierte SchaltungIC
JBuchse, SteckverbinderX nach IEC 81346, P für Stecker
KRelais
FSicherung
S / SWSchalter, Taster
YQuarz, ResonatorX oder Q
TTransformatorTR
BTBatterieG nach IEC 81346
TPTestpunkt
HBefestigungslochMH

Die deutschen Normen: vom Bauteil zur Aufgabe

In deutschen Lehrbüchern und Industrieplänen findest du andere Buchstaben, je nachdem, nach welcher Norm gezeichnet wurde:

  • DIN 40719-2 (1978, zurückgezogen): Der Buchstabe richtet sich nach der Art des Bauteils. Halbleiter und Röhren hießen V (V1 = Diode, V2 = Transistor), Verstärker und Operationsverstärker N, Speicher und digitale Bausteine D, Meldeleuchten H, Messgeräte P, Steckverbinder X, Transformatoren T.
  • DIN EN 61346-2 (2000), seit 2010 DIN EN 81346-2: Der Buchstabe richtet sich nach der Aufgabe im System. Dasselbe Bauteil kann deshalb je nach Einsatz verschiedene Buchstaben bekommen.
BauteilDIN 40719-2 (alt)EN 81346-2Aufgabe nach EN 81346-2
WiderstandRRStrom oder Spannung begrenzen
HeizwiderstandREWärme bereitstellen
Messwiderstand, Sensor, GrenztasterR / SBGröße in ein Signal umwandeln
DiodeVRbegrenzen
Spule, DrosselLRbegrenzen
KondensatorCCEnergie speichern
Kleinsignaltransistor, OPVV / NKSignale verarbeiten
Leistungstransistor, ThyristorVQEnergiefluss schalten
LED, SignallampeV / HPInformation anzeigen
Transformator, NetzteilTTEnergie umwandeln
Batterie, AkkuGGEnergie erzeugen bzw. liefern
Klemme, SteckerXXverbinden

Die Buchstaben I und O werden wegen der Verwechslung mit 1 und 0 nicht vergeben. Die Ausgabe von 2019 verfeinert das System zusätzlich mit Unterklassen aus zwei Buchstaben. In der Elektronik-Entwicklung mit Schaltplanprogrammen hat sich die aufgabenbezogene Norm kaum durchgesetzt – dort gelten die Präfixe aus der Tabelle oben. In Schaltschränken und Anlagenplänen begegnet sie dir dagegen ständig.

Welche Schaltzeichen zu diesen Bauteilen gehören, steht unter Elektronische Schaltzeichen. Wichtig ist nicht, welche Variante du wählst, sondern dass ein Projekt einheitlich bleibt.

Annotieren: Nummern vergeben

Das Vergeben der Nummern heißt Annotieren. In großen Plänen ist es üblich, nach Position zu nummerieren – von links oben nach rechts unten –, damit man ein Bauteil schneller findet. Manche Teams vergeben auch Nummernbereiche je Blatt: R100 bis R199 auf Blatt 1, R200 bis R299 auf Blatt 2. Nach dem Annotieren gilt: Nummern nicht mehr ohne Not ändern. Sobald Platinen gefertigt, Stücklisten verschickt oder Fehlerberichte geschrieben sind, beziehen sich alle darauf.

Schaltplanblatt mit R1 bis R4 und C1 bis C4, nummeriert von links oben nach rechts unten
Annotieren nach Position: Zeile für Zeile von links oben nach rechts unten, jede Bauteilart mit eigener Zählung.

Vom Schaltplan auf die Platine

Auf der Platine stehen die Referenzen im Bestückungsdruck, damit Menschen beim Bestücken, Prüfen und Reparieren die Bauteile finden. Ein paar Regeln haben sich bewährt:

  • Lesbar platzieren: neben dem Bauteil, nicht darunter und nicht auf Pads oder Durchkontaktierungen; ab etwa 1 mm Schrifthöhe druckt ein Fertiger sauber.
  • Einheitlich ausrichten: höchstens zwei Leserichtungen auf der ganzen Platine.
  • Eindeutig zuordnen: Bei dicht gepackten Bauteilen muss klar sein, welche Referenz zu welchem Gehäuse gehört.
  • Polarität mitdrucken: Pluszeichen bei Elkos, Kathodenstrich bei Dioden, Punkt an Pin 1 – siehe Gehäuse integrierter Schaltungen.
Ausschnitt einer Platine mit Bestückungsdruck R1, C1, D1 und U1
Auf der Platine stehen die Referenzen im Bestückungsdruck – dieselben Namen wie im Schaltplan.

Bei sehr dichten Platinen lässt man die Referenzen im Druck manchmal weg und liefert stattdessen einen Bestückungsplan als Zeichnung. Die Bestückungsdaten (pick and place) für Automaten nennen jedes Bauteil ebenfalls mit Referenz, Position und Drehung.

Platinenausschnitt mit Pluszeichen am Elko, Kathodenstrich an der Diode und Pin-1-Punkt am IC
Polarität im Bestückungsdruck: Pluszeichen beim Elko C3, Kathodenstrich bei D2 und Punkt an Pin 1 von U4.

In AlvaTrails

Die Stückliste (BOM) fasst gleiche Bauteile zu einer Zeile zusammen und listet alle Referenzen dazu auf – „R1, R4, R7 · 3 × 10k · 0805“. Das Präfix eines eigenen Symbols legst du im Symbol-Editor unter Referenz-Präfix fest.

Selbsttest

Was bedeutet U3B?

Die zweite Funktionseinheit (B) des integrierten Bauteils U3, etwa das zweite Gatter eines Vierfach-NAND.

Darf es in einem Projekt zweimal R5 geben?

Nein – Referenzbezeichner müssen eindeutig sein; sonst lassen sich Stückliste und Platine nicht zuordnen.

Warum sollte man nach dem Fertigen der Platine nicht neu annotieren?

Weil Bestückungsdruck, Stückliste und Dokumentation sich auf die alten Nummern beziehen; neue Nummern führen zu Verwechslungen.