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SMD-Codes und Halbleiter identifizieren

SMD-Widerstände mit 3-, 4-stelligem und EIA-96-Code lesen, Baugrößen 0402 bis 1206 kennen und Halbleiter anhand von Gehäuse und Marking-Code finden.

5 Min. LesezeitSMDCodeEIA-960805

SMD-Bauteile sind winzig – ein Widerstand der Baugröße 0402 misst einen Millimeter. Für eine vollständige Typbezeichnung ist da kein Platz. Stattdessen tragen sie kurze Codes aus zwei bis vier Zeichen, manche auch gar nichts. Dieser Artikel zeigt, wie du Widerstandscodes ausrechnest, was hinter Baugrößen wie „0805“ steckt und wie du einen unbekannten Halbleiter mit dreistelligem Aufdruck identifizierst.

Widerstände: drei Systeme

Dreistelliger Code (E24, meist 5 %): Zwei Ziffern und die Zahl der Nullen – wie beim Kondensatorcode, nur in Ohm. Ein R steht für das Komma.

AufdruckWert
10010 Ω (nicht 100 Ω!)
471470 Ω
10310 kΩ
474470 kΩ
4R74,7 Ω
R220,22 Ω
0 oder 0000 Ω (Brücke)

Vierstelliger Code (E96, meist 1 %): Drei Ziffern und die Zahl der Nullen. 1002 = 100 · 10² = 10 kΩ, 4701 = 4,7 kΩ, 49R9 = 49,9 Ω.

EIA-96-Code (1 %, kleine Bauformen): Zwei Ziffern und ein Buchstabe. Die Ziffern 01 bis 96 sind eine Nummer in der E96-Reihe – 01 steht für 100, 02 für 102, 68 für 499 und 96 für 976. Der Buchstabe ist der Multiplikator:

BuchstabeZY oder RX oder SABCDEF
Faktor0,0010,010,11101001 k10 k100 k
Drei SMD-Widerstände mit den Aufdrucken 103, 4R7 und 01C
Drei Codes, drei Systeme: 103 = 10 kΩ, 4R7 = 4,7 Ω, 01C = 10 kΩ.

Den Unterschied zwischen „100“ (10 Ω) und „1000“ (100 Ω) musst du dir merken: Bei drei Stellen sind es zwei Ziffern plus Nullen, bei vier Stellen drei Ziffern plus Nullen. Kondensatoren in Chipbauform (MLCC) sind fast nie bedruckt; sie lassen sich nur messen.

Zwei SMD-Widerstände mit den Aufdrucken 100 und 1000
Drei Stellen: 10 und null Nullen = 10 Ω. Vier Stellen: 100 und null Nullen = 100 Ω.

Baugrößen von Chipbauteilen

Widerstände und Kondensatoren in Chipform heißen nach ihren Abmessungen. Üblich ist der zöllige Code in Hundertstel Zoll (Länge, Breite):

Zoll-CodeMetrischAbmessungen (L × B)typische Belastbarkeit Widerstandvon Hand lötbar?
020106030,6 × 0,3 mm50 mWkaum
040210051,0 × 0,5 mm63 mWmit Übung
060316081,6 × 0,8 mm100 mWgut
080520122,0 × 1,25 mm125 mWsehr gut
120632163,2 × 1,6 mm250 mWsehr gut
251263326,3 × 3,2 mm1 Wsehr gut
Größenvergleich der SMD-Baugrößen 0402, 0603, 0805 und 1206
Chipbauformen im Größenvergleich, von 0402 bis 1206.

Die Belastbarkeit ist ein Richtwert; sie hängt vom Hersteller und von der Kupferfläche ab, über die die Wärme abfließt. Wie viel Leistung an einem Widerstand umgesetzt wird, rechnest du mit P = U · I.

Größenvergleich eines zölligen 0603-Chips mit einem metrischen 0603-Chip
Gleicher Name, anderes Bauteil: zöllig 0603 misst 1,6 × 0,8 mm, metrisch 0603 nur 0,6 × 0,3 mm.

Halbleiter: Marking-Codes

Transistoren, Dioden und kleine ICs im SOT-23, SOD-323 oder SC-70 tragen einen Marking-Code aus zwei oder drei Zeichen. Zwei Beispiele: Ein BC847B trägt meist „1F“, ein MMBT3904 „1AM“. Der Code ist nicht genormt und hat keine innere Logik. Schlimmer: Derselbe Code steht bei verschiedenen Herstellern für völlig verschiedene Bauteile.

Zwei SOT-23-Transistoren mit den Marking-Codes 1F und 1AM
Marking-Codes im SOT-23: 1F steht meist für einen BC847B, 1AM für einen MMBT3904.

So gehst du vor, um ein unbekanntes Bauteil zu identifizieren:

  1. Gehäuse bestimmen: Zahl der Anschlüsse, Maße, Form – siehe Gehäuse integrierter Schaltungen.
  2. Code und Gehäuse zusammen in einer SMD-Code-Datenbank oder einem Code-Buch nachschlagen. Ein Treffer ist nur gültig, wenn das Gehäuse passt.
  3. Umgebung lesen: Hängt das Bauteil zwischen einem Mikrocontroller-Pin und einer LED, ist ein Transistor wahrscheinlich; zwischen Versorgung und Masse eher eine Schutzdiode. Wie du dabei vorgehst, zeigt Schaltpläne lesen.
  4. Messen: Mit dem Diodentest des Multimeters erkennst du Dioden und bipolare Transistoren (siehe Kennzeichnung von Transistoren).

Zusätzliche Zeichen sind oft ein Datumscode (Jahr, Woche) oder ein Werkskennzeichen. Ein kleiner Strich über oder unter dem Code kann Teil der Kennung sein.

Größere ICs: Hersteller am Präfix erkennen

Bei ICs mit mehr Platz – Speicher, Mikrocontroller, Logik – steht die vollständige Typbezeichnung auf dem Gehäuse. Die ersten Buchstaben verraten dann meist den Hersteller, der Rest die Funktion, Organisation, Geschwindigkeit oder das Gehäuse. Gerade auf alten Speichermodulen und Grafikkarten hilft das beim Einordnen:

Speicherchip im TSOP-Gehäuse mit Aufdruck MT48LC16M16A2, Präfix MT für Micron hervorgehoben
Am Präfix erkennst du den Hersteller: MT steht für Micron, der Rest beschreibt Typ und Organisation des Speichers.
PräfixHersteller
MTMicron
KM, K4Samsung
HY, H5Hynix (früher Hyundai)
HYBSiemens, später Infineon/Qimonda
TC, TMMToshiba
SN, TMSTexas Instruments
µPDNEC
HMHitachi
MBFujitsu
MC, MCMMotorola (Nachfolger: ON Semiconductor, Freescale/NXP)
WWinbond

Viele dieser Firmen wurden umbenannt, aufgekauft oder haben ihre Halbleitersparte abgegeben – das Präfix lebt oft beim Nachfolger weiter. Das Datenblatt findest du am schnellsten, wenn du die komplette Zeichenfolge ohne Datumscode in eine Suchmaschine oder Bauteildatenbank eingibst.

Selbst entwickeln statt rätseln

Beim eigenen Gerät stellt sich die Frage gar nicht erst, wenn du die Stückliste sauber führst: Für jede Referenz stehen Wert, Gehäuse und Hersteller-Teilenummer drin.

Selbsttest

Welchen Wert hat ein SMD-Widerstand mit dem Aufdruck 222?

22 · 10² Ω = 2,2 kΩ.

Was bedeutet der EIA-96-Code 01B?

Nummer 01 = 100, B = × 10, also 1 kΩ.

Warum reicht der Marking-Code „1F“ allein nicht, um ein Bauteil sicher zu bestimmen?

Die Codes sind nicht genormt; derselbe Code steht bei verschiedenen Herstellern und Gehäusen für verschiedene Bauteile.