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SMD-Bauelemente

Was SMD-Bauteile von bedrahteten unterscheidet, welche Gehäuse es gibt, wie Reflow-Löten funktioniert und welche Fehler bei Footprint, Feuchte und Handlöten drohen.

7 Min. LesezeitSMDSMTSurface Mounted DeviceOberflächenmontage

Schraub ein Smartphone, einen USB-Stick oder eine Funksteckdose auf: Du findest fast keine Bauteile mit Drahtbeinchen mehr. Stattdessen sitzen winzige Quader, schwarze Käfer mit kurzen Füßchen und Chips ohne sichtbare Anschlüsse direkt auf der Oberfläche der Platine. Das sind SMD-Bauelemente – Surface Mounted Devices, oberflächenmontierte Bauteile. Das Verfahren dahinter heißt SMT (Surface Mount Technology). Seit den 1980er-Jahren hat es die Durchsteckmontage (THT) in der Serienfertigung fast vollständig verdrängt, und auch für Hobbyprojekte lohnt sich SMD, seit Platinenhersteller die Bestückung gleich mit anbieten.

Was SMD ausmacht

Ein bedrahtetes Bauteil steckt mit seinen Anschlussdrähten in Bohrungen und wird auf der Rückseite verlötet. Ein SMD-Bauteil hat stattdessen Metallkappen, kurze abgewinkelte Beinchen oder Lötflächen an der Unterseite. Es liegt auf passenden Kupferflächen der Platine, den Pads, und wird dort verlötet.

Querschnitt: bedrahteter Widerstand mit Drähten durch Bohrungen und Lötstellen unten, daneben SMD-Chip auf Pads der Oberseite
Links steckt das Bauteil in Bohrungen, rechts liegt es auf Pads – die Rückseite bleibt frei.

Daraus ergeben sich die Vorteile:

  • Platz: Die Bauteile sind viel kleiner, und weil keine Bohrungen nötig sind, lässt sich die Platine beidseitig bestücken.
  • Automatisierung: Bestückungsautomaten setzen zehntausende Bauteile pro Stunde direkt vom Gurt.
  • Elektrische Eigenschaften: Ohne Drahtbeinchen sind Zuleitungsinduktivität und -kapazität klein. Abblockkondensatoren wirken besser, Hochfrequenzschaltungen werden überhaupt erst praktikabel.
  • Kosten: Weniger Material, weniger Bohrungen, schnellere Fertigung.

Dem stehen Nachteile gegenüber: Die kleinsten Bauteile lassen sich von Hand kaum löten, viele tragen nur einen kurzen Code oder gar keine Beschriftung, und Reparaturen sind mühsam. Schwere oder mechanisch belastete Teile – große Elkos, Steckverbinder, Transformatoren – werden deshalb oft weiterhin bedrahtet ausgeführt oder zusätzlich verschraubt.

Schaltzeichen und Footprint

Ein eigenes Schaltzeichen gibt es deshalb nicht. Im Schaltplan zeichnest du Widerstand, Kondensator oder IC wie gewohnt (siehe Schaltzeichen). Ob das Bauteil bedrahtet oder als SMD bestückt wird, legt erst der Footprint fest: die Anordnung der Pads, der Bestückungsdruck mit Pin-1-Markierung und der Platz, den das Bauteil braucht. Ein Symbol kann deshalb zu mehreren Footprints passen – ein 10-kΩ-Widerstand zu 0402, 0603 oder 0805.

Die wichtigsten Gehäuse

SMD-Bauteile: Chipwiderstand, Chipkondensator, MELF, SOD-123, SOT-23, SOT-223, SOIC-8 und QFN
Eine Auswahl: passive Chips, MELF, Dioden- und Transistorgehäuse sowie ICs mit und ohne Beinchen.
GruppeGehäuseTypischer Inhalt
Chipbauteile0201 bis 2512 (Zollcode)SMD-Widerstand, Keramikkondensator (MLCC), Ferritperle, kleine Spulen
ZylindrischMELF, MiniMELFPräzisions- und Impulswiderstände, Dioden
FormgehäuseCase A bis E, SMA/SMB/SMCTantal-Elkos, Gleichrichter- und TVS-Dioden
BecherAlu-Becher auf Kunststoffsockel (V-Chip)Aluminium-Elkos
Kleine HalbleiterSOD-123, SOD-323, SOT-23, SOT-223, DPAKDioden, Transistoren, Spannungsregler
ICs mit BeinchenSOIC, TSSOP, QFPLogik, Operationsverstärker, Mikrocontroller
ICs ohne BeinchenQFN, DFN, BGA, WLCSPMikrocontroller, Funkchips, Prozessoren

Die Größen der Chipbauteile, ihre Belastbarkeit und die aufgedruckten Codes findest du unter SMD-Codes; die IC-Gehäuse mit Rastermaß und Pin-1-Markierung unter IC-Gehäuse. Achte bei Chipbauteilen auf die Schreibweise: Der übliche Code „0603“ ist in Zoll gemeint (0,06 × 0,03 Zoll ≈ 1,6 × 0,8 mm). Im metrischen System steht „0603“ für ein viel kleineres Teil von 0,6 × 0,3 mm, das in Zoll „0201“ heißt.

Wie SMD gelötet wird

In der Serie läuft fast alles über das Reflow-Löten:

  1. Lötpaste drucken: Durch eine Metallschablone (Stencil), meist 100–150 µm dick, wird Lötpaste auf die Pads gerakelt. Die Paste ist eine graue Masse aus winzigen Lotkugeln und Flussmittel.
  2. Bestücken: Ein Automat saugt jedes Bauteil vom Gurt an und setzt es in die Paste, die es klebrig festhält.
  3. Reflow: Die Platine durchläuft einen Ofen. Nach Vorwärmen schmilzt das Lot; bei bleifreiem SAC305 liegt der Schmelzpunkt bei etwa 217–220 °C, die Spitze des Profils bei rund 240–250 °C. Die Oberflächenspannung des flüssigen Lots zieht leicht verrutschte Bauteile sogar mittig auf ihre Pads.
Reflow-Fertigung in drei Schritten: Lötpaste durch Schablone drucken, Bauteile bestücken, im Ofen löten
Drei Schritte der Serienfertigung: Paste drucken, bestücken, im Reflow-Ofen löten.

Gemischt bestückte Platinen mit SMD auf der Unterseite und bedrahteten Teilen oben laufen teils noch durch eine Lötwelle. Dann werden die SMD-Teile vorher mit Klebepunkten fixiert, damit sie nicht abfallen. Beim reinen Reflow-Löten ist kein Kleber nötig.

Wie warm ein Bauteil im Betrieb werden darf und wie Kupferflächen unter einem SMD-Gehäuse als Kühlkörper dienen, steht unter Wärme und Kühlung.

Feuchteempfindlichkeit (MSL)

Kunststoffgehäuse nehmen aus der Luft Feuchtigkeit auf. Im Reflow-Ofen verdampft sie schlagartig, und das Gehäuse kann innen aufreißen – man hört es manchmal sogar knacken (Popcorn-Effekt). Deshalb tragen ICs eine Feuchteklasse (Moisture Sensitivity Level, MSL), und empfindliche Teile kommen in Trockenbeuteln mit Trockenmittel und Feuchteindikator.

MSLErlaubte Zeit an Raumluft (≤ 30 °C, 60 % rel. Feuchte)
1unbegrenzt
21 Jahr
3168 Stunden (7 Tage)
472 Stunden
548 Stunden
6nur direkt nach dem Trocknen

SMD von Hand löten

Für Prototypen lassen sich viele SMD-Teile gut von Hand löten: Chipbauteile ab 0603, besser 0805, sowie SOIC, SOT-23 und TSSOP mit einem Lötkolben mit feiner Spitze, Flussmittel und dünnem Lot. Ein Pad vorverzinnen, das Bauteil mit der Pinzette anlegen, die erste Seite anheften, dann die anderen Anschlüsse löten. QFN- und DFN-Gehäuse mit Lötfläche unten brauchen Heißluft oder eine Heizplatte mit Lötpaste, BGA ist Fabriksache. Ausführlich unter Löten.

Häufige Fehler und Praxistipps

  • Falscher Footprint: Zoll- und metrische Codes verwechselt, SOT-23 mit falscher Pinbelegung oder das schmale SOIC-8 (3,9 mm Körperbreite) mit dem breiteren SOP-8 (5,3 mm) vertauscht. Vor der Bestellung ein Bauteil auf einen 1:1-Ausdruck der Platine legen.
  • Tombstoning (Grabstein-Effekt): Ein kleiner Chip richtet sich beim Reflow auf einer Seite auf. Ursache sind ungleich große Pads oder eine Seite, die an einer großen Kupferfläche hängt und später schmilzt. Abhilfe: symmetrische Pads und Thermal-Anbindung an Flächen.
  • Lötbrücken bei feinem Raster: Bei 0,5 mm Pinabstand reicht ein Hauch zu viel Lot. Mit Flussmittel und Entlötlitze lassen sie sich lösen.
  • Biegerisse in Keramikkondensatoren: MLCCs vertragen kein Durchbiegen der Platine. Setze große Chips nicht an Ritzlinien oder Schraublöcher und richte sie parallel zur Bruchkante aus.
  • Freiliegendes Pad vergessen: Bei QFN führt die Unterseite Wärme und oft GND. Ohne Lot dort wird der Chip heiß oder funktioniert nicht.
  • Elektrostatik: Kleine Halbleiter sind empfindlich; arbeite geerdet, siehe ESD.

Selbsttest

Hat ein SMD-Widerstand ein anderes Schaltzeichen als ein bedrahteter?

Nein. SMD ist nur die Bauform; der Unterschied steckt im Footprint.

Welche Abmessungen hat ein Chipbauteil mit Zollcode 0805?

Etwa 2,0 × 1,25 mm (0,08 × 0,05 Zoll).

Warum braucht man beim Reflow-Löten normalerweise keinen Kleber?

Die klebrige Lötpaste hält die Bauteile bis zum Ofen fest; die Oberflächenspannung des Lots zentriert sie dann.

Ein Beutel MSL-3-Bauteile lag zehn Tage offen. Was tust du vor dem Reflow?

Die Bauteile nach Herstellerangabe trocknen, weil die erlaubten 168 Stunden an Raumluft überschritten sind.

Was ist Tombstoning, und wie vermeidest du es?

Ein Chip richtet sich beim Löten einseitig auf, weil eine Seite früher schmilzt; symmetrische Pads und Thermal-Anbindung an große Kupferflächen helfen.