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Instrumentenverstärker

Wie ein Instrumentenverstärker kleine Differenzspannungen auf großer Gleichtaktspannung verstärkt und wie du damit eine Wägezelle an den ADC anschließt.

7 Min. LesezeitInstrumentenverstärkerInstrumentationsverstärkerIn-AmpINA128

Eine Wägezelle aus Dehnungsmessstreifen liefert bei voller Last gerade einmal 10 mV – und diese 10 mV sitzen auf einer Gleichspannung von 2,5 V, weil die Brücke aus 5 V versorgt wird. Ein Thermoelement am Ende eines langen Kabels liefert Mikrovolt, auf die sich 50-Hz-Brummen in beiden Adern gleich stark einkoppelt. In beiden Fällen interessiert nur der Unterschied zwischen zwei Leitungen, nicht ihre gemeinsame Spannung. Für genau diese Aufgabe gibt es den Instrumentenverstärker, englisch Instrumentation Amplifier oder kurz In-Amp. Er verstärkt die Differenz um einen einstellbaren Faktor und unterdrückt alles, was beide Eingänge gemeinsam haben.

Warum ein einfacher Differenzverstärker nicht reicht

Mit einem Operationsverstärker und vier Widerständen lässt sich ein Differenzverstärker bauen, siehe OPV-Grundschaltungen. Für Messbrücken hat er zwei Schwächen:

  • Niedriger Eingangswiderstand: Die Eingänge belasten die Quelle mit den Widerständen der Schaltung, typisch einige Kiloohm. Eine Brücke mit 350 Ω Innenwiderstand verfälscht das bereits.
  • Gleichtaktunterdrückung hängt an den Widerständen: Nur wenn alle vier Widerstände exakt im richtigen Verhältnis stehen, heben sich gemeinsame Spannungen auf. Mit 1-%-Widerständen kann im ungünstigsten Fall nur etwa 1/50 der Gleichtaktspannung durchrutschen – bei Verstärkung 1 etwa 34 dB Unterdrückung.

Wie man dB und Faktor umrechnet, zeigt Dezibel; hier zum Nachrechnen:

Rechner

Dezibel-Rechner

Als Spannungsverhältnis
+6,02 dB
Als Leistungsverhältnis
+3,01 dB
−10 dB−5 dB0 dB+5 dB+10 dBVerstärkungDämpfung+6,02 dBSpannung (20 · lg)× 2+3,01 dBLeistung (10 · lg)× 2

Spannung und Strom (Feldgrößen): 20 · lg(Verhältnis). Leistung: 10 · lg(Verhältnis). Beide Werte gelten für dasselbe Verhältnis, je nachdem, welche Größe es beschreibt.

Aufbau und Funktionsweise

Der klassische Instrumentenverstärker besteht aus drei OPVs:

  1. Zwei Eingangsverstärker arbeiten als nichtinvertierende Verstärker. Ihre Eingänge sind die Anschlüsse IN+ und IN− – hochohmig, im Giga-Ohm-Bereich. Die beiden Stufen teilen sich einen gemeinsamen Widerstand RG zwischen ihren Rückkopplungen.
  2. Eine Differenzstufe aus einem dritten OPV und vier gleichen Widerständen bildet die Differenz der beiden Ausgänge und bezieht das Ergebnis auf den Referenzeingang REF.

Der Kniff: Eine Differenzspannung am Eingang treibt einen Strom durch RG und wird von den Eingangsstufen verstärkt. Eine Gleichtaktspannung erzeugt an RG keinen Strom – beide Enden liegen auf derselben Spannung – und wird deshalb nur mit dem Faktor 1 durchgereicht. Die Differenzstufe entfernt sie anschließend. Weil die Widerstände auf dem Chip per Laser abgeglichen sind, erreicht der Baustein 100–130 dB Gleichtaktunterdrückung (CMRR).

Innerer Aufbau eines Instrumentenverstärkers aus drei OPVs: zwei Eingangsstufen mit gemeinsamem R_G, dahinter die Differenzstufe mit vier Widerständen und Referenzeingang
Die Eingangsstufen verstärken die Differenz, die Differenzstufe entfernt die Gleichtaktspannung.

Die Verstärkung stellst du mit einem einzigen Widerstand ein:

G = 1 + 2 · RRG

Der Wert 2 · R steht im Datenblatt: beim INA128 50 kΩ, beim AD620 49,4 kΩ, beim INA333 100 kΩ. Ohne RG ist die Verstärkung 1.

Schaltzeichen und Anschlüsse

Im Schaltplan zeichnet man den Instrumentenverstärker als Dreieck mit den Eingängen + und −, zwei Anschlüssen für RG, dem Referenzeingang und den Versorgungspins. Die meisten Typen im 8-poligen Gehäuse folgen derselben Belegung: RG an Pin 1 und 8, IN− an Pin 2, IN+ an Pin 3, V− an Pin 4, REF an Pin 5, Ausgang an Pin 6 und V+ an Pin 7.

Instrumentenverstärker in typischen Gehäusen: DIP-8, SOIC-8 und VSSOP-8
Klassiker wie der INA128 gibt es bedrahtet und als SOIC, moderne Typen oft nur noch in winzigen Gehäusen.

Kennwerte gängiger Typen

KennwertINA128INA333
Versorgung±2,25 bis ±18 V1,8–5,5 V
Verstärkung1 + 50 kΩ / RG1 + 100 kΩ / RG
Offset max.50 µV25 µV (G ≥ 100)
Offsetdrift max.0,5 µV/K0,1 µV/K
CMRR min.120 dB (G ≥ 100)100 dB (G ≥ 10)
Bandbreite200 kHz bei G = 100150 kHz bei G = 1
Stromaufnahme0,7 mA50 µA
Ausgangetwa 1–1,4 V vor jeder Schienebis 50 mV an die Schienen
GehäuseDIP-8, SO-8VSSOP-8, WSON-8

Der INA128 und der ältere AD620 sind die Klassiker für ±15-V-Systeme, der INA333 ist ein Zero-Drift-Typ für 3,3 V und 5 V neben einem Mikrocontroller.

Durchgerechnet: Wägezelle am ADC

Eine Wägezelle mit 2 mV/V Empfindlichkeit wird aus 5 V versorgt und liefert bei Nennlast also 10 mV. Ein INA333 an derselben 5-V-Versorgung soll das auf rund 2 V verstärken, damit ein 12-Bit-ADC genug Auflösung hat. Die Brücke selbst ist eine Brückenschaltung aus vier Dehnungsmessstreifen.

Wägezelle als Messbrücke an einem Instrumentenverstärker mit R_G = 499 Ω und Referenz 2,5 V, Ausgang zum ADC
Die Brückenausgänge gehen direkt an die hochohmigen Eingänge; REF legt den Nullpunkt auf 2,5 V.

Prüfe außerdem die internen Spannungen: Die Eingangsstufen geben die Gleichtaktspannung plus bzw. minus die halbe verstärkte Differenz aus, hier 2,5 V ± 201 · 10 mV / 2 ≈ 2,5 V ± 1,0 V. Das liegt sicher im erlaubten Bereich. Bei hoher Verstärkung und Gleichtaktspannung nahe einer Schiene stoßen die internen OPVs dagegen an ihre Grenze, lange bevor der Ausgang es tut. Viele Datenblätter zeigen das als sechseckiges Diagramm aus Gleichtakt- und Ausgangsspannung.

Typische Anwendungen

  • Messbrücken: Wägezellen, Drucksensoren, Dehnungsmessstreifen.
  • Temperatur: Thermoelemente mit wenigen µV/K und Pt100 in Brückenschaltung.
  • Strommessung: Die Spannung an einem Shunt-Widerstand in der Plusleitung. Für hohe Gleichtaktspannungen gibt es eigene Strommessverstärker.
  • Medizintechnik: EKG-Verstärker, bei denen Millivolt-Signale auf großen Brummspannungen sitzen.

Auswahl und Praxistipps

Die erste Frage ist die Versorgung: Neben einem Mikrocontroller an 3,3 V oder 5 V brauchst du einen Typ mit Rail-to-Rail-Ausgang wie den INA333 oder INA826. Danach entscheiden Offset und Drift (Zero-Drift für Gleichspannungssignale), die Gleichtaktunterdrückung bei der Frequenz deiner Störung und die Bandbreite bei der gewählten Verstärkung.

Häufige Fehler:

  • Kein Rückweg für den Eingangsstrom: Die Eingänge brauchen einen Gleichstrompfad zur Masse der Schaltung. Eine erdfreie Quelle wie ein Thermoelement oder ein Eingang mit Koppelkondensatoren lässt die Eingänge davondriften, bis der Ausgang an der Schiene klebt. Abhilfe: je ein Widerstand von etwa 100 kΩ bis 1 MΩ von jedem Eingang nach Masse.
  • REF hochohmig angesteuert: Der Referenzeingang hängt intern an Widerständen von einigen 10 kΩ. Ein einfacher Spannungsteiler davor verschlechtert Verstärkung und Gleichtaktunterdrückung. Treibe REF mit einem OPV als Spannungsfolger.
  • Billiger RG: Seine Toleranz und sein Temperaturkoeffizient gehen direkt in die Verstärkung ein. Nimm 0,1 % und höchstens 25 ppm/K.
  • Interne Aussteuerung übersehen: Siehe die Prüfung der Eingangsstufen oben.
  • Hochfrequente Störungen: Funk und Schaltregler-Störungen können gleichgerichtet werden und einen Offset erzeugen. Ein kleines RC-Filter vor jedem Eingang, symmetrisch aufgebaut, hilft.

Selbsttest

Welche Verstärkung hat ein INA128 mit RG = 1 kΩ?

G = 1 + 50 kΩ / 1 kΩ = 51.

Welchen RG brauchst du beim INA333 für G = 101?

RG = 100 kΩ / 100 = 1 kΩ.

Warum wird eine Gleichtaktspannung in den Eingangsstufen nicht verstärkt?

Sie liegt an beiden Enden von RG gleich an; durch RG fließt deshalb kein Strom, und beide Stufen geben sie nur mit Faktor 1 weiter.

Wie viel Gleichtaktspannung kommt bei 120 dB CMRR durch, wenn 1 V anliegt?

1 V / 106 = 1 µV, auf den Eingang bezogen.

Was passiert, wenn ein erdfreies Thermoelement ohne Widerstände nach Masse angeschlossen wird?

Der Eingangsruhestrom findet keinen Rückweg, die Eingänge driften ab, und der Ausgang läuft in die Begrenzung.