Du willst ein 5-V-Signal an einem 3,3-V-Mikrocontroller einlesen, eine Batteriespannung messen oder einem Regler sagen, welche Ausgangsspannung er liefern soll: In all diesen Fällen sitzen zwei Widerstände in Reihe, und zwischen ihnen greifst du einen Teil der Spannung ab. Dieser Spannungsteiler ist eine der häufigsten Grundschaltungen überhaupt.
Der unbelastete Spannungsteiler
Zwei Widerstände R1 und R2 liegen in Reihe an der Eingangsspannung Uein. Durch beide fließt derselbe Strom, die Spannung teilt sich im Verhältnis der Widerstände auf. Die Ausgangsspannung greifst du an R2 gegen Masse ab:
Der Bruch ist das Teilerverhältnis. Es hängt nur vom Verhältnis der Widerstände ab, nicht von ihrer absoluten Größe: 1 kΩ / 2 kΩ teilt genauso wie 100 kΩ / 200 kΩ.
Umgekehrt bestimmst du für ein gewünschtes Verhältnis einen Widerstand aus dem anderen:
Der belastete Spannungsteiler
Sobald am Ausgang etwas angeschlossen wird, fließt ein Teil des Stroms durch diese Last RL. Sie liegt parallel zu R2, und der wirksame untere Widerstand – die Parallelschaltung RP aus R2 und RL – sinkt:
Die Ausgangsspannung bricht also ein – umso stärker, je kleiner die Last im Verhältnis zu R2 ist. Im Einzelnen passiert beim Anschließen der Last: Der Gesamtwiderstand sinkt, der Strom aus der Quelle steigt, an R1 fällt dadurch mehr Spannung ab, und für den Ausgang bleibt weniger übrig. Das ist eine typische gemischte Schaltung; besonders schnell rechnest du sie mit der Ersatzspannungsquelle.
Eine Faustregel hilft beim Dimensionieren: Der Querstrom durch R2 sollte etwa drei- bis zehnmal so groß sein wie der Laststrom – je genauer die Spannung stimmen muss, desto mehr. Ähnlich kannst du dir merken: Ist RL mindestens zehnmal so groß wie R2, weicht die Ausgangsspannung nur um wenige Prozent vom unbelasteten Wert ab. Im Beispiel oben brächte eine Last von 200 kΩ statt 3,33 V noch 3,23 V.
Streng unbelastet ist ein Spannungsteiler in der Praxis nie – irgendetwas hängt immer am Ausgang. Die Formel des unbelasteten Teilers ist aber eine sehr gute Näherung, wenn der Ausgang einen hochohmigen Eingang speist, etwa einen Operationsverstärker oder einen Komparator. Dann darf der Teiler selbst auch im 100-kΩ- oder sogar MΩ-Bereich liegen.
Die richtige Größenordnung
Weil nur das Verhältnis zählt, hast du bei der absoluten Größe Spielraum. Zwei Ziele ziehen dabei in entgegengesetzte Richtungen:
- Kleine Widerstände machen den Teiler belastbar und unempfindlich gegen Störungen, verbrauchen aber mehr Strom. Bei batteriebetriebenen Geräten fließt der Querstrom ständig.
- Große Widerstände sparen Strom und Verlustleistung (die sich ebenfalls im Verhältnis der Widerstände aufteilt), machen den Ausgang aber hochohmig. Eingangsströme, Leckströme und die Eingangskapazität eines ADC verfälschen dann das Ergebnis.
Für Mikrocontroller-ADCs liegen typische Gesamtwerte zwischen 10 kΩ und 100 kΩ; ein kleiner Kondensator (etwa 100 nF) am Ausgang stabilisiert die Spannung beim Abtasten. Wähle die Werte aus der E-Reihe und achte darauf, dass die Toleranzen beider Widerstände in das Ergebnis eingehen.
Typische Anwendungen
- Pegelanpassung: 5-V-Signale auf 3,3 V herunterteilen – für langsame Signale. Bei schnellen Signalen bilden ein hochohmiger Teiler und die unvermeidlichen Kapazitäten von Leitungen und Eingängen einen Tiefpass, der die Flanken verschleift.
- Batterie überwachen: Eine 12-V-Akkuspannung auf den Messbereich eines ADC bringen.
- Rückkopplung von Reglern: Der Teiler am Feedback-Pin eines Spannungsreglers legt die Ausgangsspannung fest.
- Arbeitspunkt einstellen: Die Basisspannung eines Transistors wird oft über einen Teiler vorgegeben.
- Sensoren: Ein NTC oder Fotowiderstand als R2 macht aus einer Widerstandsänderung eine Spannungsänderung.
Selbsttest
12 V an R1 = 3 kΩ und R2 = 1 kΩ. Wie groß ist die Ausgangsspannung?
Uaus = 12 V · 1 kΩ / 4 kΩ = 3 V.
Warum sinkt die Ausgangsspannung, wenn du eine Last anschließt?
Die Last liegt parallel zu R2 und verkleinert den wirksamen unteren Widerstand.
Welche Faustregel gilt für den Querstrom?
Er sollte etwa drei- bis zehnmal so groß sein wie der Laststrom – je genauer die Ausgangsspannung stimmen muss, desto höher.