Echte Schaltungen sind selten reine Reihen- oder Parallelschaltungen. Meist sitzt ein Widerstand vor einer Gruppe paralleler Zweige, oder ein Spannungsteiler wird von einer Last belastet. Solche Kombinationen heißen gemischte Schaltungen oder Gruppenschaltungen. Sie zu berechnen ist kein neues Gesetz, sondern eine Technik: Du fasst Schritt für Schritt zusammen, bis nur noch ein einziger Widerstand übrig ist.
Das Prinzip: von innen nach außen
Jede Gruppe von Widerständen, die zueinander rein in Reihe oder rein parallel liegt, kannst du durch einen Ersatzwiderstand ersetzen. Der Rest der Schaltung „merkt“ davon nichts – Strom und Spannung an den Anschlüssen der Gruppe bleiben gleich.
So gehst du vor:
- Suche eine Gruppe, die eindeutig in Reihe oder parallel liegt. Fang bei der Gruppe an, die am weitesten von der Quelle entfernt ist.
- Ersetze sie durch ihren Ersatzwiderstand und zeichne die Schaltung neu.
- Wiederhole, bis nur noch ein Gesamtwiderstand übrig ist.
- Rechne den Gesamtstrom aus und arbeite dich rückwärts durch die Zwischenschritte, um Teilströme und Teilspannungen zu finden.
Die zwei Grundformen
Die einfachsten gemischten Schaltungen bestehen aus drei Widerständen und tauchen immer wieder als Bausteine größerer Netzwerke auf:
- Erweiterte Reihenschaltung: Ein Widerstand liegt in Reihe zu einer Parallelgruppe. Du berechnest zuerst die Parallelgruppe und addierst dann den Reihenwiderstand.
- Erweiterte Parallelschaltung: Eine Reihe aus zwei Widerständen liegt parallel zu einem dritten. Hier addierst du zuerst die Reihe und rechnest das Ergebnis dann mit dem dritten Widerstand parallel.
Dasselbe Vorgehen funktioniert auch mit Kondensatoren und Spulen. Nur die Formeln für Reihe und parallel sind beim Kondensator vertauscht: Kapazitäten addieren sich parallel, nicht in Reihe.
Ein Beispiel Schritt für Schritt
Zur Kontrolle prüfst du immer beide Kirchhoffschen Regeln: Die Zweigströme müssen sich zum Gesamtstrom addieren, die Teilspannungen entlang jeder Masche zur Quellenspannung.
Ohmsches Gesetz und Leistung
Leistung am Widerstand: 180 mW · Eingaben wie „4k7“, „20 mA“ oder „0,5“ sind möglich.
Schaltungen umzeichnen
Die größte Hürde ist oft nicht das Rechnen, sondern das Erkennen der Struktur. Schaltpläne sind selten so gezeichnet, dass Reihen- und Parallelgruppen ins Auge springen. Dann hilft Umzeichnen:
- Knoten markieren: Gib jedem Punkt, der durch Leitungen ohne Bauteil verbunden ist, einen Buchstaben. Alle Leitungsstücke zwischen zwei Bauteilen gehören zum selben Knoten, egal wie lang sie gezeichnet sind.
- Nach Knoten ordnen: Zwei Widerstände zwischen denselben Knotenbuchstaben sind parallel. Ein Knoten, an dem nur genau zwei Widerstände hängen (und sonst nichts), verbindet sie in Reihe.
- Masse beachten: Alle Massesymbole sind ein einziger Knoten – auch wenn sie im Plan weit auseinander stehen (siehe Masse, Erde und Ground).
Der belastete Spannungsteiler
Ein sehr häufiger Fall einer gemischten Schaltung ist der Spannungsteiler mit Last: Parallel zum unteren Widerstand hängt der Eingang der nächsten Stufe. Rechnest du ihn als gemischte Schaltung, siehst du sofort, warum die Ausgangsspannung unter Last sinkt – die Parallelschaltung aus unterem Widerstand und Last ist kleiner als der untere Widerstand allein.
Wenn Zusammenfassen nicht reicht
Nicht jede Schaltung lässt sich in Reihen- und Parallelgruppen zerlegen. Das bekannteste Beispiel ist die Brückenschaltung (Wheatstone-Brücke), bei der ein Widerstand quer zwischen zwei Zweigen liegt. Hier helfen:
- die vollständigen Kirchhoffschen Gleichungen,
- die Umwandlung einer Dreieck- in eine Sternschaltung,
- oder der Überlagerungssatz, wenn mehrere Quellen im Spiel sind.
Selbsttest
Woran erkennst du zwei Widerstände in Reihe?
Zwischen ihnen zweigt nichts ab; derselbe Strom fließt durch beide.
R1 = 1 kΩ liegt in Reihe zu zwei parallelen 2-kΩ-Widerständen. Wie groß ist der Gesamtwiderstand?
Die Parallelgruppe hat 1 kΩ, insgesamt also 2 kΩ.
Warum rechnet man nach dem Zusammenfassen rückwärts?
Um aus dem Gesamtstrom die Teilspannungen und Zweigströme der einzelnen Widerstände zu bestimmen.