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Timer NE555 und NE556

Wie der NE555 innen mit Komparatoren und Flipflop arbeitet, wie du Blinker und Zeitschalter berechnest und welche Grenzen Elko, Versorgung und Ausgang setzen.

8 Min. LesezeitNE555555-TimerNE556astabile Kippstufe

Eine LED soll blinken, ein Summer piepen, eine Treppenhausbeleuchtung nach zwei Minuten ausgehen, ein Motor per Pulsweite gedimmt werden. Für all das gibt es seit 1972 denselben Baustein: den Timer 555. Mit einem Kondensator und zwei Widerständen wird er zum Taktgeber, mit einem Widerstand und einem Kondensator zum Zeitschalter. Er ist billig, verträgt bis zu 16 V, treibt Lasten bis 200 mA direkt und gehört zu den meistverkauften ICs überhaupt. Der NE556 enthält zwei dieser Timer in einem Gehäuse.

Aufbau und Funktionsweise

Im Inneren des NE555 arbeiten wenige, gut überschaubare Blöcke:

  • Ein Spannungsteiler aus drei gleichen Widerständen von je 5 kΩ legt zwei Schwellen fest: 2/3 · UB und 1/3 · UB. Daher hat der Baustein seinen Namen.
  • Zwei Komparatoren vergleichen die Spannungen an den Eingängen THRES (Threshold, Pin 6) und TRIG (Trigger, Pin 2) mit diesen Schwellen. Wie ein Komparator arbeitet, steht unter Komparator.
  • Ein Flipflop speichert, welcher Komparator zuletzt angesprochen hat.
  • Eine Ausgangsstufe (Pin 3) liefert das Ergebnis mit bis zu 200 mA.
  • Ein Entladetransistor (DISCH, Pin 7) schließt nach Masse kurz, solange der Ausgang Low ist.

Die Logik ist einfach: Sinkt TRIG unter 1/3 · UB, wird das Flipflop gesetzt – der Ausgang geht High, der Entladetransistor sperrt. Steigt THRES über 2/3 · UB, wird es zurückgesetzt – der Ausgang geht Low, der Entladetransistor leitet. Ein Low am RESET-Eingang (Pin 4) setzt den Timer jederzeit zurück. Über CONT (Control, Pin 5) lassen sich die Schwellen von außen verschieben.

Schaltzeichen und Pinbelegung

Im Schaltplan erscheint der 555 als Kasten mit den acht Anschlussnamen. Am DIP-8- oder SOIC-8-Gehäuse sind sie so verteilt:

PinNameFunktion
1GNDMasse
2TRIGStart bei weniger als 1/3 UB
3OUTAusgang
4RESETLow = Rücksetzen, sonst an UB
5CONTSchwellen verschieben, sonst 10 nF nach Masse
6THRESStopp bei mehr als 2/3 UB
7DISCHEntladetransistor nach Masse
8VCCVersorgung 4,5–16 V

Der NE556 im DIP-14 enthält zwei vollständige Timer, die sich nur VCC (Pin 14) und GND (Pin 7) teilen. Timer 1 belegt die Pins 1–6, Timer 2 die Pins 8–13. Wie du Pin 1 am Gehäuse findest, steht unter IC-Gehäuse.

NE555 im DIP-8 von oben mit Pinbelegung GND, TRIG, OUT, RESET links und VCC, DISCH, THRES, CONT rechts
Pinbelegung des NE555 von oben gesehen; Pin 1 liegt links neben der Kerbe.

Wichtige Kennwerte

KennwertNE555 (TI)
Versorgungsspannung4,5–16 V
Stromaufnahme ohne Last3–6 mA bei 5 V, 10–15 mA bei 15 V (Ausgang Low)
Ausgangsstrom±200 mA
Ausgang High bei 15 V und 100 mAetwa 12,75–13,3 V
Strom in THRES30 nA typ., 250 nA max.
größter Ladewiderstand RA + RBetwa 3,4 MΩ bei 5 V, 10 MΩ bei 15 V
Temperaturdrift der Zeit (monostabil)etwa 50 ppm/K
Temperaturbereich0–70 °C

Die Ausgangsstufe des bipolaren NE555 erreicht nicht ganz die Versorgungsspannung; High liegt rund 1,5–2 V darunter. Beim Umschalten zieht der Baustein außerdem kurze Stromspitzen von über 100 mA aus der Versorgung. Wer weniger Strom, Rail-to-Rail-Ausgang oder 3,3-V-Betrieb braucht, nimmt die CMOS-Version.

Astabile Kippstufe: der Taktgeber

Für einen Taktgeber verbindest du TRIG und THRES miteinander und legst sie an den Zeitkondensator C. Der Kondensator lädt sich über RA und RB auf, bis er 2/3 · UB erreicht. Dann schaltet der Ausgang auf Low, der Entladetransistor an Pin 7 entlädt C über RB, bis 1/3 · UB erreicht ist – und alles beginnt von vorn. Die Spannung am Kondensator pendelt also zwischen einem und zwei Dritteln der Versorgung. Wie schnell sich ein Kondensator über einen Widerstand auflädt, erklärt RC-Glied.

Astabile Kippstufe mit NE555: RA 10 kΩ, RB 68 kΩ, C 10 µF, 10 nF an CONT, LED mit Vorwiderstand am Ausgang
Der 555 als Blinker: C lädt über RA und RB und entlädt sich über RB.

Weil sich die Schwellen mit der Versorgung mitbewegen, hängt die Frequenz kaum von UB ab:

tH = 0,693 · (RA + RB) · C tL = 0,693 · RB · C f = 1,44(RA + 2 · RB) · C

Prüfe eigene Werte mit dem Rechner:

Rechner

555-Timer

Frequenz f
687 Hz
Periode T
1,46 ms
High-Zeit
762 µs
Low-Zeit
693 µs
Tastgrad
52,4 %
55510 nFAusgang8VCC4RES1GND3OUT5CV7DIS6THR2TRIG+UBR1 = 1 kΩR2 = 10 kΩC = 100 nFAusgang (Pin 3)ttH = 762 µstL = 693 µs

f = 1 / (ln 2 · (R1 + 2·R2) · C) ≈ 1,44 / ((R1 + 2·R2) · C). Der Tastgrad liegt in dieser Grundschaltung immer über 50 %; für weniger überbrückst du R2 mit einer Diode. Gilt für NE555 und CMOS-Typen (TLC555, ICM7555) gleichermaßen – die Genauigkeit bestimmt vor allem die Toleranz von C.

Ein Tastgrad unter 50 % ist mit dieser Schaltung nicht möglich, weil tH immer länger ist als tL. Abhilfe schafft eine Diode parallel zu RB: Beim Laden umgeht der Strom dann RB, und tH hängt nur noch von RA ab.

Spannungsverlauf: Kondensatorspannung pendelt zwischen 1/3 und 2/3 der Versorgung, darunter das Rechtecksignal am Ausgang mit tH und tL
Steigt die Kondensatorspannung, ist der Ausgang High; fällt sie, ist er Low.

Monostabile Kippstufe: der Zeitschalter

Als Zeitschalter liegt THRES zusammen mit DISCH am Kondensator, der über einen Widerstand R geladen wird. TRIG bleibt über einen Pull-up auf High. Ein kurzer Low-Impuls an TRIG startet den Timer: Der Ausgang geht High, der Entladetransistor gibt C frei, und C lädt sich auf. Bei 2/3 · UB endet der Impuls, C wird schlagartig entladen. Die Dauer ist

t = 1,1 · R · C

Typische Anwendungen

  • Blinker und Taktgeber für LEDs, Summer und Lauflichter.
  • PWM-Dimmer: Mit einem Potentiometer und zwei Dioden lässt sich der Tastgrad bei fester Frequenz verstellen, etwa für LED-Streifen oder kleine Motoren – mit einem Transistor als Schalter am Ausgang für größere Ströme.
  • Verzögerung und Entprellung: Die monostabile Schaltung macht aus einem prellenden Tastendruck einen sauberen Impuls.
  • Spannungsgesteuerter Oszillator: Eine Spannung an CONT verschiebt die Schwellen und damit die Frequenz.
  • Relais und Summer: Der Ausgang treibt kleine Relais direkt. Eine Freilaufdiode parallel zur Spule ist Pflicht.

Auswahl und Praxistipps

Der NE555 ist richtig, wenn du 5–15 V Versorgung hast, Lasten bis etwa 100 mA direkt schalten willst und Stromverbrauch keine Rolle spielt. Für Batteriebetrieb, 3,3 V und sehr lange Zeiten ist der CMOS-555 besser. Für genaue Zeiten über Minuten ist ein Mikrocontroller oft einfacher.

Häufige Fehler:

  • Kein Abblockkondensator: Die Stromspitzen beim Umschalten stören andere Bauteile und können den Timer selbst doppelt auslösen. Setze 100 nF direkt an Pin 8 und 1, bei Lasten am Ausgang zusätzlich einen Elko.
  • RESET offen gelassen: Pin 4 an UB legen, sonst setzt Störung den Timer zufällig zurück.
  • CONT offen gelassen: 10 nF nach Masse machen die Schwellen störfester.
  • Ladewiderstände zu klein: RA unter etwa 1 kΩ belastet beim Entladen den Transistor an Pin 7 stark, weil dann UB / RA zusätzlich durch ihn fließt.
  • Trigger zu lang: Hält TRIG länger Low als die eingestellte Zeit, bleibt der Ausgang so lange High.

Selbsttest

Bei welchen Spannungen schalten die beiden Komparatoren des 555?

Bei 1/3 der Versorgung (TRIG) und 2/3 der Versorgung (THRES).

Welche Frequenz hat eine astabile Kippstufe mit RA = 1 kΩ, RB = 10 kΩ und C = 100 nF?

f = 1,44 / ((1 kΩ + 20 kΩ) · 100 nF) ≈ 686 Hz.

Wie lange dauert der Impuls einer monostabilen Stufe mit R = 470 kΩ und C = 10 µF?

t = 1,1 · 470 kΩ · 10 µF ≈ 5,2 s.

Warum hängt die Frequenz kaum von der Versorgungsspannung ab?

Beide Schwellen sind Bruchteile der Versorgung; bei höherer Spannung lädt C schneller, muss aber auch weiter laden.

Wie bekommst du einen Tastgrad unter 50 %?

Mit einer Diode parallel zu RB, sodass der Ladestrom nur über RA fließt.