Auf dem Arduino Uno sitzen zwei Taktgeber: ein Quarz im Metallgehäuse für den USB-Chip und ein kleines, dreibeiniges Bauteil für den eigentlichen Mikrocontroller. Das zweite ist ein Keramikresonator. Er erledigt dieselbe Aufgabe wie ein Schwingquarz – er gibt einem Oszillator die Frequenz vor –, ist aber billiger, robuster, schwingt schneller an und bringt seine Lastkondensatoren gleich mit. Dafür ist er etwa hundertmal ungenauer. Für viele Aufgaben macht das nichts, für manche ist es ein K.-o.-Kriterium.
Aufbau und Funktionsweise
Ein Keramikresonator ist ein kleines Plättchen aus piezoelektrischer Keramik, meist Blei-Zirkonat-Titanat (PZT), mit zwei Elektroden. Wie beim Quarz verformt eine Wechselspannung das Plättchen, und die mechanische Schwingung wirkt auf die Elektroden zurück (siehe Thermoelektrik und Piezo-Effekt). Bei seiner Eigenfrequenz verhält sich das Bauteil elektrisch wie ein Schwingkreis; das Ersatzschaltbild ist dasselbe wie beim Quarz, mit einem Reihenkreis und einer Parallelkapazität.
Der Unterschied liegt im Material. Piezokeramik ist ein gesintertes Pulver statt eines einzelnen Kristalls. Ihre mechanischen Verluste sind viel größer, und ihre Eigenschaften hängen stärker von Temperatur und Fertigung ab. Daraus folgen die typischen Eigenschaften:
- Güte: einige hundert bis wenige tausend, beim Quarz zehntausend bis über hunderttausend.
- Anfangstoleranz: etwa ±0,1 bis ±0,5 %, also 1000 bis 5000 ppm. Ein Quarz liegt bei ±10 bis ±50 ppm.
- Anschwingzeit: Die kleinere Güte heißt auch, dass die Schwingung schneller ihre volle Größe erreicht – oft in einem Bruchteil einer Millisekunde, ein Quarz braucht einige Millisekunden. Das zählt bei Geräten, die oft aus dem Schlaf aufwachen.
- Robustheit: Keramik ist mechanisch unempfindlicher als ein dünnes Quarzplättchen.
Viele Resonatoren haben drei Anschlüsse: Die beiden äußeren gehen an den Oszillator, der mittlere an Masse. Im Gehäuse sitzen zwei Kondensatoren von jedem äußeren Anschluss zur Mitte – genau die Lastkondensatoren, die du beim Quarz extra bestücken musst.
Schaltzeichen
Das Schaltzeichen gleicht dem des Quarzes: ein schmales Rechteck zwischen zwei Platten. Bei der dreipoligen Ausführung sind die beiden eingebauten Kondensatoren mitgezeichnet, die vom linken und rechten Anschluss zum gemeinsamen Mittelanschluss führen. Das Kurzzeichen ist Y oder X, oft mit dem Wert in MHz. Weitere Symbole findest du unter Schaltzeichen.
Kennwerte
| Kennwert | Bedeutung | Murata CSTNE16M0V53C000R0 |
|---|---|---|
| Nennfrequenz | Frequenz bei Nennbedingungen | 16 MHz |
| Anfangstoleranz | Abweichung bei 25 °C | ±0,5 % |
| Eingebaute Kapazität | Lastkondensatoren im Gehäuse | 15 pF |
| Resonanzwiderstand | Verlustwiderstand bei Resonanz | 40 Ω |
| Temperaturbereich | −40 bis +125 °C | |
| Gehäuse | SMD, drei Anschlüsse | 3,2 × 1,3 mm |
Zur Anfangstoleranz kommen der Temperaturgang (bei dieser Reihe typisch einige zehntel Prozent über den ganzen Temperaturbereich) und die Alterung. Rechne für die Gesamtabweichung mit etwa ±0,5 bis ±1 %. Den genauen Wert für deinen Typ entnimmst du dem Datenblatt.
Bauformen
- Bedrahtet mit drei Beinen: ein kleiner, meist blauer oder orangefarbener Block im Rastermaß 2,5 mm, mit eingebauten Kondensatoren.
- SMD mit drei Anschlüssen: flache Keramikgehäuse von etwa 3,2 × 1,3 mm bis 2 × 1,2 mm, ebenfalls mit Kondensatoren.
- Zweipolig: ohne eingebaute Kondensatoren, für Schaltungen, in denen du die Lastkapazität selbst festlegen willst.
Für Frequenzen unter etwa 2 MHz und über etwa 50 MHz gibt es kaum Keramikresonatoren; dort bleibt der Quarz.
Wo er passt und wo nicht
Ob ein Resonator genügt, hängt davon ab, wie genau der Takt sein muss. Drei Beispiele zeigen die Spanne.
Beispiel UART: Ein Mikrocontroller mit 16 MHz soll mit 9600 Baud senden. Mit dem ganzzahligen Teiler des Baudratengenerators entsteht eine tatsächliche Rate von 9615 Baud, ein Fehler von +0,16 %. Rechnet man den Resonator mit ungünstigstenfalls ±0,8 % hinzu (Toleranz, Temperatur und Alterung), liegt die Abweichung unter 1 %. Als Faustregel sollte die gesamte Abweichung zwischen Sender und Empfänger unter etwa 2 % bleiben – das passt.
Ungünstigster Fall: 115 200 Baud aus 16 MHz ohne doppelte Geschwindigkeit. Der beste Teiler ergibt 111 111 Baud, also schon −3,5 % Fehler. Hier versagt die Übertragung unabhängig vom Taktgeber; mit doppelter Geschwindigkeit sind es +2,1 %, plus Resonator bis zu 2,9 % – zu knapp. Für hohe Baudraten nimmt man einen Quarz mit einer passenden Frequenz wie 14,7456 MHz.
Beispiel Uhr: Eine Uhr, die vom Resonator abgeleitet wird, geht bei 0,5 % Abweichung 86 400 s · 0,005 = 432 s pro Tag falsch – über sieben Minuten. Für Uhrzeit taugt ein Resonator nicht; dafür gibt es den Uhrenquarz mit 32 768 Hz.
Beispiel USB: USB Full Speed verlangt einen Takt auf ±0,25 % genau. Ein Resonator mit ±0,5 % Anfangstoleranz erfüllt das nicht einmal bei Raumtemperatur. USB, CAN mit hohen Bitraten und Ethernet brauchen einen Quarz oder einen Mikrocontroller mit Taktnachführung über das USB-Signal.
Setzt du statt des Resonators einen Quarz ein, berechnest du dessen Lastkondensatoren mit dem Rechner Quarz-Lastkondensatoren. Beim dreipoligen Resonator entfällt dieser Schritt, die Kondensatoren sind schon drin.
Auswahl und Praxistipps
Prüfe zuerst, ob dein Mikrocontroller einen internen RC-Oszillator hat, der für die Aufgabe reicht – viele moderne Typen sind ab Werk auf ±1 % abgeglichen. Brauchst du mehr Genauigkeit, aber keine ppm, ist der Resonator die günstige Mitte. Hersteller wie Murata führen Tabellen, welche Resonatoren mit welchem Mikrocontroller geprüft sind; nimm möglichst einen geprüften Typ.
Häufige Fehler:
- Zusätzliche Lastkondensatoren bei dreipoligen Typen: Die Kondensatoren sind schon eingebaut. Weitere Kondensatoren verschieben die Frequenz und können das Anschwingen verhindern.
- Mittelanschluss nicht an Masse: Ohne Masse am Mittelpin fehlen die Lastkondensatoren, der Oszillator schwingt unsauber oder gar nicht.
- Quarz einfach durch Resonator ersetzt: Firmware, die eine genaue Uhr, USB oder hohe Baudraten nutzt, funktioniert danach nicht mehr zuverlässig.
- Oszillator falsch konfiguriert: Manche Mikrocontroller haben getrennte Einstellungen für Quarz und Resonator, etwa für die Treiberstärke. Ein Resonator mit niedriger Güte braucht teils mehr Verstärkung.
- Lange Leiterbahnen: Wie beim Quarz gehört der Resonator direkt an die Oszillatorpins, mit kurzer Masseanbindung des Mittelpins.
Selbsttest
Worin unterscheidet sich ein Keramikresonator vom Quarz?
Er besteht aus Piezokeramik statt Quarzkristall, hat eine viel kleinere Güte, ist etwa hundertmal ungenauer, schwingt aber schneller an und ist billiger und robuster.
Wofür ist der mittlere Anschluss eines dreipoligen Resonators?
Er ist der gemeinsame Anschluss der beiden eingebauten Lastkondensatoren und kommt an Masse.
Wie viele ppm sind ±0,5 %?
±5000 ppm.
Ein Resonator weicht um 0,3 % ab. Wie viele Sekunden pro Tag geht eine damit betriebene Uhr falsch?
86 400 s · 0,003 ≈ 259 s, also gut vier Minuten.
Warum reicht ein Keramikresonator für USB Full Speed nicht?
USB verlangt ±0,25 % Genauigkeit, ein Resonator hat schon bei Raumtemperatur bis zu ±0,5 % Toleranz.