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Modellbau-Servo

Wie ein Modellbau-Servo mit Motor, Getriebe und Potentiometer einen Winkel anfährt, wie das 50-Hz-Impulssignal funktioniert und wie du Servos stabil versorgst.

7 Min. LesezeitServoModellbau-ServoServomotorSG90

Im ferngesteuerten Flugzeug bewegt ein Servo das Höhenruder, im RC-Auto die Lenkung, im Roboterarm aus dem Bausatz jedes Gelenk. Auch Türschlösser, Kameraschwenkköpfe und automatische Futterklappen nutzen oft dasselbe Bauteil: ein kleines Kunststoffkästchen mit drei Drähten und einem Hebel auf der Welle. Du gibst ihm einen Winkel vor, und es fährt dorthin und hält die Stellung gegen Last – ohne dass du dich um Motorsteuerung oder Positionsmessung kümmern musst. Das macht Servos zum einfachsten Weg, mit einem Mikrocontroller etwas zu bewegen.

Aufbau und Funktionsweise

Ein Modellbau-Servo ist ein vollständiger Regelkreis in einem Gehäuse:

  • Gleichstrommotor: ein kleiner, schnell drehender Gleichstrommotor, bei hochwertigen Typen ein Glockenanker- oder bürstenloser Motor.
  • Getriebe: ein mehrstufiges Stirnradgetriebe mit 200:1 bis 500:1, aus Kunststoff oder Metall. Es macht aus hoher Drehzahl und kleinem Moment eine langsame, kräftige Bewegung.
  • Potentiometer: Es sitzt auf der Abtriebswelle und meldet ihre Stellung als Spannung, wie ein Spannungsteiler (siehe Potentiometer).
  • Regelelektronik: Sie vergleicht den Sollwinkel aus dem Steuersignal mit der Spannung des Potentiometers und treibt den Motor über eine kleine H-Brücke in die Richtung, die den Fehler verkleinert.

Steht die Welle am Sollwert, schaltet die Elektronik den Motor ab. Versucht eine äußere Kraft, die Welle wegzudrücken, meldet das Potentiometer die Abweichung, und der Motor drückt dagegen. Das ist der Grund, warum ein belastetes Servo im Stillstand Strom zieht und manchmal leise brummt.

Geöffnetes Servo von der Seite: Gleichstrommotor, mehrstufiges Getriebe, Potentiometer an der Abtriebswelle und Platine mit Regelelektronik, oben der Servohebel
Im Servo: Motor, Getriebe, Potentiometer und Regelelektronik bilden einen geschlossenen Regelkreis.

Anschlüsse und Schaltzeichen

Servos haben drei Drähte, meist mit einem dreipoligen Stecker im 2,54-mm-Raster:

Funktionübliche Farben
Massebraun oder schwarz
Versorgung (+)rot, in der Mitte
Signalorange, gelb oder weiß

Weil Plus in der Mitte liegt, zerstört ein verdreht eingesteckter Stecker das Servo in der Regel nicht – es bekommt dann nur kein Signal.

Ein eigenes genormtes Schaltzeichen gibt es nicht. In Schaltplänen findest du ein Motorsymbol (Kreis mit „M“) mit drei Anschlüssen, meist aber nur die Stiftleiste mit der Beschriftung „Servo“ (siehe Schaltzeichen).

Das Steuersignal

Das Signal ist eine Impulsfolge mit etwa 50 Hz, also alle 20 ms ein Impuls. Nicht die Frequenz, sondern die Breite des Impulses legt den Winkel fest:

  • 1,0 ms: ein Endanschlag (−90° bzw. 0°)
  • 1,5 ms: Mittelstellung
  • 2,0 ms: der andere Endanschlag (+90° bzw. 180°)
Drei Impulsfolgen mit 20 ms Periode und Impulsbreiten von 1 ms, 1,5 ms und 2 ms, daneben jeweils die zugehörige Hebelstellung links, Mitte und rechts
Die Impulsbreite bestimmt den Winkel: 1 ms, 1,5 ms und 2 ms entsprechen den beiden Endstellungen und der Mitte.

Diese Werte sind die Konvention aus dem Modellbau. Viele Servos fahren mit 0,5 bis 2,5 ms einen größeren Winkelbereich an; wie weit genau, schwankt von Exemplar zu Exemplar. Für einen Winkel α zwischen 0° und 180° gilt bei der Standardkonvention:

t = 1 ms + α180° · 1 ms

Weil das Signal wie eine PWM aussieht, wird es oft so genannt. Entscheidend ist aber die Impulsbreite in Millisekunden, nicht das Tastverhältnis. Eine schnellere Wiederholrate als 50 Hz vertragen viele digitale Servos, analoge können dabei überhitzen.

Kennwerte

KennwertSG90 (Mikroservo)MG996R (Standardservo)
Betriebsspannung4,8 – 6 V4,8 – 7,2 V
Stellmoment bei 4,8 V1,8 kg·cm9,4 kg·cm
Stellzeit bei 4,8 V0,1 s / 60°0,17 s / 60°
GetriebeKunststoffMetall
Masse9 g55 g
Blockierstromeinige 100 mAum 2,5 A bei 6 V

Das Stellmoment wird im Modellbau in kg·cm angegeben: Ein Servo mit 1,8 kg·cm hält 1,8 kg an einem Hebel von 1 cm. In SI-Einheiten sind das M = 1,8 kg · 9,81 m/s2 · 0,01 m ≈ 0,18 Nm.

Bauformen

  • Mikroservos (9 g, etwa 23 × 12 × 29 mm): SG90 und Verwandte. Für Bastelprojekte und leichte Modelle.
  • Standardservos (40–60 g, etwa 40 × 20 × 38 mm): MG996R und viele Modellbautypen. Für Lenkungen und Roboterarme.
  • Großservos: für große Modelle und Segelwinden, mit 20 bis über 50 kg·cm.
  • Continuous-Rotation-Servos: ohne Endanschlag und ohne Positionsrückmeldung. Die Impulsbreite steuert Drehzahl und Richtung, 1,5 ms bedeutet Stillstand. Damit entsteht ein Getriebemotor mit eingebautem Treiber.
  • Digitale Servos: gleiche Form, aber mit Mikrocontroller und höherer interner Regelfrequenz. Sie halten präziser und kräftiger, ziehen aber mehr Strom.
  • Smart-Servos mit Bus: Servos für Roboter, die über eine serielle Leitung angesprochen werden und Position, Last und Temperatur zurückmelden.
Mikroservo SG90 mit blauem Kunststoffgehäuse, Standardservo mit schwarzem Gehäuse und Metallgetriebe, beide mit Servohebeln und dreiadrigem Kabel
Mikroservo und Standardservo mit verschiedenen Servohebeln.

Anschluss an den Mikrocontroller

Die Signalleitung kommt direkt an einen digitalen Ausgang des Mikrocontrollers. Ein 3,3-V-Signal reicht für die meisten Servos, auch wenn sie mit 5 oder 6 V versorgt werden. Kritisch ist die Versorgung:

  • Eigene Versorgung: Servos ziehen beim Anfahren kurze Stromspitzen von 0,5 A (Mikroservo) bis über 2 A (Standardservo). Aus dem 5-V-Pin eines Entwicklungsboards oder über USB bricht dabei die Spannung ein, der Mikrocontroller startet neu. Nimm ein eigenes 5- bis 6-V-Netzteil oder einen Schaltregler, im Modellbau BEC genannt.
  • Gemeinsame Masse: Die Masse der Servoversorgung muss mit der Masse des Mikrocontrollers verbunden sein, sonst hat das Signal keinen Bezug (siehe Masse, Erde, Ground).
  • Pufferelko: Ein Elko von 470 bis 1000 µF direkt an den Servoanschlüssen fängt die Anlaufspitzen ab.
Anschlussplan: Mikrocontroller mit Signalleitung zum Servo, separates 5-V-Netzteil für die Servoversorgung, gemeinsame Masse und Pufferelko an den Servoanschlüssen
Signal vom Mikrocontroller, Energie vom eigenen Netzteil, Masse gemeinsam, Elko direkt am Servo.

Für mehrere Servos rechnest du den ungünstigsten Fall: Vier MG996R, die gleichzeitig blockieren, ziehen rund 10 A. Im Normalbetrieb bewegen sich selten alle gleichzeitig unter voller Last, aber das Netzteil sollte mindestens die Hälfte davon kurzzeitig liefern können.

Auch die Leitungen zählen. Ein Servo-Verlängerungskabel hat oft nur Adern von etwa 0,13 mm², und ihr Widerstand folgt aus dem spezifischen Widerstand des Kupfers (siehe auch Leitungen dimensionieren).

Den Spannungsfall auf deinen eigenen Leitungen rechnest du hier nach:

Rechner

Spannungsfall auf Leitungen

Leitungswiderstand
476 mΩ
Spannungsfall
4,76 V
Anteil
2,07 %
Verlustleistung
47,6 W
+am Anfang230 VΔU/2 = 2,38 VΔU/2 = 2,38 VKupfer, l = 20 mΔU = 4,76 V2,07 %I = 10 Aam Ende225 VQuerschnitt1,5 mm²gestrichelt: 1,5 mm²

Gleichstrom bzw. einphasiger Wechselstrom, Hin- und Rückleiter gerechnet, Leitertemperatur 20 °C.

Auswahl und Praxistipps

Wähle das Servo nach Stellmoment mit Reserve (Faktor 2 bis 3), Stellzeit und Getriebe: Kunststoff für leichte Aufgaben, Metall bei Stößen und dauerhafter Last. Für Dauerbetrieb und genaue Positionen sind ein Schrittmotor oder ein Getriebemotor mit Encoder oft besser.

Häufige Fehler:

  • Servo aus dem 5-V-Pin des Boards versorgt: Der Mikrocontroller setzt bei jeder Bewegung zurück, oder der Spannungsregler des Boards überhitzt.
  • Gegen den Anschlag gefahren: Wird die Impulsbreite über den mechanischen Bereich hinaus erhöht, drückt das Servo dauerhaft gegen seinen Anschlag, zieht den Blockierstrom und wird heiß. Ermittle die Grenzen deines Exemplars vorsichtig.
  • Signal ohne Massebezug: Ohne gemeinsame Masse zuckt das Servo unkontrolliert.
  • Servohebel per Hand verdreht: Das zwingt das Getriebe gegen den Motor, Kunststoffzähne brechen. Löse den Hebel und setze ihn in der richtigen Stellung neu auf.
  • Dauerlast ohne Pause: Ein Servo, das ständig eine schwere Last hält, zieht ständig Strom und wird warm. Entlaste die Mechanik mit Federn oder Gegengewichten.

Selbsttest

Welche Impulsbreite entspricht der Mittelstellung eines Servos?

1,5 ms.

Woher kennt das Servo seine aktuelle Stellung?

Von einem Potentiometer auf der Abtriebswelle, dessen Spannung die Elektronik mit dem Sollwert vergleicht.

Welche Impulsbreite brauchst du für 120° bei 1–2 ms für 0–180°?

t = 1 ms + 120/180 · 1 ms ≈ 1,67 ms.

Ein Servo hat 3 kg·cm. Wie viel ist das in Nm?

3 kg · 9,81 m/s2 · 0,01 m ≈ 0,29 Nm.

Warum braucht ein Servo eine gemeinsame Masse mit dem Mikrocontroller?

Das Signal ist eine Spannung gegen Masse; ohne gemeinsamen Bezugspunkt kann das Servo die Impulse nicht sicher erkennen.