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Festspannungsnetzteil mit 7805/7812

Ein Netzteil mit +12 V und +5 V aus Trafo, Brückengleichrichter, Ladeelko, 7812 und 7805: Trafo, Elko und Kühlkörper für den ungünstigsten Netzfall ausgelegt.

7 Min. LesezeitNetzteil 7805Netzteil 7812Festspannungsnetzteillineares Netzteil bauen

Ein lineares Netzteil mit Festspannungsregler ist die klassische Versorgung für Bastelprojekte: brummfrei, störarm, kurzschlussfest und mit Teilen aus jedem Elektronikladen aufzubauen. Hier entsteht ein Netzteil mit zwei Ausgängen, +12 V für Relais, Lüfter oder einen Verstärker und +5 V für die Logik. Die Bauteile selbst – Pinbelegung, Kennwerte und Familie des 7805 – erklärt der Artikel Festspannungsregler 78xx und 79xx; hier geht es um das Zusammenspiel von Netzseite, Gleichrichter, Ladeelko und zwei Reglern.

Schaltplan

Netzteil: L über Feinsicherung F1 T160 mA und Schalter S1 an die Primärwicklung von Tr1 230 V / 15 V, 30 VA; Sekundärseite an Brückengleichrichter B80C1500; Ladeelko C1 4700 µF/35 V und C2 330 nF; 7812 mit C3 100 nF am Ausgang, Abgriff +12 V 0,5 A; dahinter 7805 mit C4 100 nF, Ausgang +5 V 0,3 A
Der 7805 hängt hinter dem 7812 – so teilen sich beide Regler die Spannungsdifferenz und können auf einem gemeinsamen Kühlkörper sitzen.
  • F1, T160 mA: träge Feinsicherung in der Primärleitung. Sie schützt bei einem Defekt im Trafo oder einem Kurzschluss vor dem Regler.
  • S1: Netzschalter, am besten zweipolig.
  • Tr1, 230 V / 15 V, 30 VA: Ringkern- oder Printtrafo mit Sicherheitstrennung.
  • B1, B80C1500: Brückengleichrichter für 80 V und 1,5 A.
  • C1, 4700 µF, 35 V: Aluminium-Elko als Ladekondensator. Er überbrückt die Lücken zwischen den Halbwellen.
  • C2, 330 nF: Keramik direkt am Eingang des 7812.
  • IC1, 7812: liefert +12 V für die 12-V-Last und zugleich den Eingang des 7805.
  • C3, C4, 100 nF: Keramik direkt an den Ausgängen.
  • IC2, 7805: erzeugt +5 V aus den geregelten 12 V.

So funktioniert die Schaltung

Der Trafo setzt die Netzspannung auf 15 V herab und trennt die Schaltung galvanisch vom Netz. Die Brücke richtet beide Halbwellen gleich; C1 lädt sich in jeder Halbwelle auf den Scheitelwert auf und entlädt sich dazwischen über die Last. So entsteht eine Gleichspannung mit einem Sägezahn darauf, der Brummspannung mit 100 Hz.

Der 7812 regelt diesen Sägezahn weg – vorausgesetzt, seine Eingangsspannung fällt auch im tiefsten Tal nicht unter 14,6 V, die das Datenblatt für volle Regelung bei 1 A verlangt. Darunter schlägt das Brummen bis zum Ausgang durch. Der 7805 bekommt bereits saubere 12 V und unterdrückt den Rest noch einmal.

Die Kaskade hat einen weiteren Vorteil: Beide Spannungsdifferenzen werden in zwei Gehäusen verheizt. Der Strom des 7805 fließt allerdings auch durch den 7812, der deshalb die größere Last trägt. Die Fahne der 78xx liegt auf Masse, also dürfen beide Regler ohne Isolierscheibe auf denselben Kühlkörper.

Dimensionierung

Gegeben: +12 V mit 0,5 A und +5 V mit 0,3 A, Netzspannung 230 V ±10 %, Umgebung im Gehäuse bis 40 °C.

1. Gesamtstrom. Durch den 7812 fließen 0,5 A + 0,3 A = 0,8 A, dazu die Ruheströme von zusammen rund 10 mA.

2. Trafospannung. Der 7812 braucht im Tal mindestens 14,6 V. Ein 15-V-Trafo liefert den Scheitelwert 15 V · √2 ≈ 21,2 V (Effektivwert mal √2). In der Brücke leiten immer zwei Dioden; bei den kurzen, hohen Ladestromspitzen fallen an jeder etwa 1 V ab. Am Elko bleiben im Scheitel rund 19,2 V, bei −10 % Netz 17,1 V.

3. Ladeelko. Die Brummspannung schätzt du mit

ΔU ≈ I2 · f · C = 0,81 A2 · 50 Hz · 4700 µF ≈ 1,7 V

Weil der Elko nicht die ganzen 10 ms entladen wird, sind es in Wirklichkeit etwa 1,5 V. Bei −10 % Netz liegt das Tal dann bei 15,6 V, rund 1 V über der Grenze des 7812. Mit 2200 µF wäre die Brummspannung doppelt so groß, und der Regler fiele in jedem Tal aus der Regelung. Die Spannungsfestigkeit von 35 V reicht auch für den Leerlauf: Kleine Trafos liefern ohne Last 15 bis 20 % mehr Spannung, der Elko lädt sich dann auf etwa 26 V auf.

Rechner

Gleichrichter und Siebkondensator

Scheitelwert am Trafo
16,97 V
Leerlauf am Elko
15,57 V
Gleichspannung mit Last
15,07 V
Tiefster Wert
14,57 V
Brummfrequenz
100 Hz
Kapazität rechnerisch
10 mF
Elko nach E6
10 mF
Elko-Nennspannung (mind. 17,27 V)
25 V
Sperrspannung Dioden ≥
18,67 V
Nachladen je Halbwelle
1,15 ms
Diodenstrom beim Nachladen ≈
8,72 A
Netz50 Hz12 V eff.+C10 mFLast1 AUDC ≈ 15,07 V15,57 V14,68 V12,57 V010 ms20 ms30 ms40 msuC am Elko, Brumm mit 10 mF: 889 mVZeit t – gestrichelt: gleichgerichtete Trafospannung, Achse beginnt nicht bei 0

Û = √2 · Ueff; Uleer = Û − n · UF (zwei Dioden im Strompfad); C = I / (fBr · UBr) mit fBr = 2 · f; UDC ≈ Uleer − UBr/2. Die Formel nimmt an, dass der Elko die ganze Brummperiode lang entladen wird – das liegt auf der sicheren Seite. Spannungsfestigkeit für Netz +10 % im Leerlauf; kleine Trafos liefern ohne Last zusätzlich 10 bis 25 % mehr als ihre Nennspannung, das steht im Datenblatt. Den Trafo legst du für deutlich mehr Effektivstrom aus als den Gleichstrom – Faustwert 1,8 · I. Der Diodenstrom beim Nachladen ist ein Mittelwert für eine ideale Quelle; die Spitzen liegen höher, Wicklungswiderstand und Streuinduktivität flachen sie ab.

Spannung am Ladeelko über 40 ms: bei Nennspannung zwischen 17,7 und 19,2 V, bei −10 % Netz zwischen 15,6 und 17,1 V; gestrichelt die Grenze von 14,6 V für den 7812
Auch bei Netzunterspannung bleibt das Tal rund 1 V über der Mindest-Eingangsspannung des 7812.

4. Trafoleistung. Der Trafo liefert seinen Strom nur in kurzen Spitzen, während der Elko nachgeladen wird. Der Effektivstrom der Wicklung liegt deshalb beim 1,6- bis 1,8-Fachen des Gleichstroms, hier also bei etwa 1,4 A. Das sind 15 V · 1,4 A = 21 VA. Mit Reserve nimmst du einen 30-VA-Trafo; primär fließen dann etwa 130 mA, die träge Sicherung T160 mA passt.

5. Gleichrichter. Die B80C1500 verträgt 1,5 A Dauerstrom und 80 V Sperrspannung. Gesperrt liegen höchstens etwa 26 V an, der Strom ist 0,8 A – reichlich Abstand.

6. Verlustleistung. Der ungünstigste Fall ist +10 % Netz bei voller Last. Der Scheitel steigt auf 16,5 V · √2 − 2 V ≈ 21,3 V, der Mittelwert am Elko liegt bei etwa 20,6 V:

PIC1 = (20,6 V − 12 V) · 0,8 A ≈ 6,9 W PIC2 = (12 V − 5 V) · 0,3 A = 2,1 W

7. Kühlkörper. Zusammen sind es 9 W auf einem Kühlkörper. Der 7812 hat mit 6,9 W den größten Anteil. Zwischen Sperrschicht und Kühlkörper liegen bei ihm 4 K/W im Gehäuse und etwa 0,5 K/W Wärmeleitpaste, das sind 6,9 W · 4,5 K/W ≈ 31 K. Für höchstens 125 °C Sperrschicht darf der Kühlkörper also 94 °C warm werden:

Rth,KK ≤ 94 °C − 40 °C9,0 W = 6 K/W

Das ist ein Rippenkühlkörper von etwa 50 × 50 mm, kein kleiner Aufsteckkühler mehr. Einzelne Regler rechnest du mit dem Rechner Linearregler: Verlustleistung und Kühlkörper nach; Grundlagen unter Wärme und Kühlung.

Bauteilliste

BezeichnerWert/TypHinweis
F1T160 mA, 5 × 20 mmträge, im Sicherungshalter
S1Netzschalter 250 V~zweipolig, mit Zulassung
Tr1230 V / 15 V, 30 VASicherheitstrafo, Print- oder Ringkern
B1B80C1500Brückengleichrichter, 1,5 A
C14700 µF, 35 VElko, 105 °C, Pluspol am Gleichrichter-Plus
C2330 nF, 50 VKeramik X7R, direkt am 7812
C3, C4100 nF, 50 VKeramik X7R, direkt an den Ausgängen
IC17812 (z. B. L7812CV)TO-220, Pinfolge IN-GND-OUT
IC27805 (z. B. L7805CV)TO-220, auf demselben Kühlkörper
Kühlkörper≤ 6 K/WWärmeleitpaste, keine Isolierscheibe nötig

Erweiterungen

Betriebsanzeige. Eine LED mit 1,5 kΩ am 12-V-Ausgang zeigt mit knapp 7 mA, dass das Netzteil läuft.

Schutzdioden. Hängt am Ausgang ein großer Elko (ab etwa 10 µF), legst du eine 1N4001 von jedem Reglerausgang zurück zu seinem Eingang, Kathode am Eingang. Wird der Eingang kurzgeschlossen oder schaltest du ab, entlädt sich der Ausgangselko darüber statt rückwärts durch den Regler.

Weniger Wärme. Wird der 5-V-Zweig stärker belastet, ersetzt du den 7805 durch ein fertiges Schaltreglermodul. Für einstellbare Spannungen ersetzt das einstellbare Netzteil mit LM317 den 7812.

Symmetrisch. Für Operationsverstärker brauchst du ±12 V: Trafo mit zwei Wicklungen, ein 7812 und ein 7912. Andere Wege zeigt Symmetrische Versorgung und virtuelle Masse.

Typische Fehler

  • Brummen am Ausgang unter Last: Das Tal am Elko liegt unter 14,6 V. Mit dem Oszilloskop am Eingang des 7812 messen; Abhilfe ist ein größerer Elko oder ein Trafo mit etwas mehr Spannung.
  • Regler schaltet nach Minuten ab: Übertemperaturschutz. Kühlkörper zu klein, Wärmeleitpaste vergessen oder das Gehäuse hat keine Lüftungsschlitze.
  • Regler schwingt: C2 oder C3 sitzen zu weit weg. Die Keramikkondensatoren gehören direkt an die Pins, nicht ans andere Ende der Platine.
  • 79xx auf demselben Kühlkörper: Beim 7912 liegt die Fahne am Eingang, nicht an Masse. Ohne Isolierscheibe gibt es einen Kurzschluss.
  • Elko verpolt: Er wird warm, bläht sich auf oder platzt. Der Minuspol ist am Gehäuse mit einem Streifen markiert.

Selbsttest

Warum muss die Rechnung für den Ladeelko bei −10 % Netzspannung stimmen?

Dann ist der Scheitel am kleinsten und das Tal am tiefsten; nur wenn es auch dort über 14,6 V bleibt, regelt der 7812 ohne Brummen.

Warum darfst du 7812 und 7805 ohne Isolierscheibe auf denselben Kühlkörper setzen?

Ihre Metallfahnen liegen beide auf Masse.

Wie viel Leistung verheizt der 7812 bei Nennspannung, wenn am Elko im Mittel 18,5 V anliegen?

(18,5 V − 12 V) · 0,8 A = 5,2 W.

Welcher Regler wird wärmer, wenn du den 7805 direkt an den Elko hängst statt an den 7812?

Der 7805: Er verheizt dann (20,6 V − 5 V) · 0,3 A ≈ 4,7 W statt 2,1 W; der 7812 nur noch (20,6 V − 12 V) · 0,5 A ≈ 4,3 W. Die Summe bleibt gleich.

Warum braucht ein 0,8-A-Netzteil einen Trafo für mehr als 12 VA?

Der Trafo liefert seinen Strom nur in kurzen Ladespitzen; der Effektivstrom der Wicklung ist um den Faktor 1,6 bis 1,8 größer als der Gleichstrom.