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Multimeter

Das wichtigste Messgerät auf dem Basteltisch: Buchsen, Drehschalter, Messbereiche, Durchgangsprüfer, True RMS und Messkategorie verständlich erklärt.

5 Min. LesezeitMultimeterVielfachmessgerätDrehschalterCOM

Ein Multimeter – auf Deutsch Vielfachmessgerät – vereint Voltmeter, Amperemeter und Ohmmeter in einem Gehäuse. Mit dem Drehschalter wählst du, was du messen willst, über die Buchsen, wie die Messleitungen angeschlossen werden. Es ist das erste Messgerät, das sich fast jeder anschafft, und für die meisten Aufgaben in der Elektronik genau das richtige. Damit es zuverlässig misst und nicht bei der ersten Strommessung seine Sicherung opfert, solltest du seinen Aufbau kennen.

Analog oder digital

Multimeter gibt es in zwei Bauarten. Ein Analogmultimeter (AMM) arbeitet fast immer mit einem Drehspulmesswerk; für Wechselspannung schaltet es einen Gleichrichter davor, und seine Wechselspannungsskala ist so beschriftet, dass sie bei Sinus den Effektivwert zeigt. Es hat meist mehr Bedienelemente und mehrere Skalen, zwischen denen du je nach Bereich die richtige wählen musst. Ein Digitalmultimeter (DMM) kommt mit weniger Bedienelementen aus, hat einen höheren Eingangswiderstand und bringt oft Extras mit: Frequenz- und Kapazitätsmessung, Transistortest oder einen Speicher für Messwerte. Heute ist das DMM der Standard.

Analoges Multimeter mit Spiegelskala, Drehschalter für die Bereiche, Nullsteller und zwei Buchsen
Ein analoges Multimeter: mehrere Skalenbögen hinter dem Zeiger, darunter der Bereichsschalter.

Für die Widerstandsmessung braucht jedes Multimeter – auch das analoge – eine eingebaute Batterie: Ein Widerstand liefert selbst nichts, das Gerät muss einen Strom durchschicken und rechnet aus Strom und Spannung den Wert aus.

Buchsen und Messleitungen

Ein typisches Digitalmultimeter hat drei oder vier Buchsen:

BuchseAufgabe
COMgemeinsamer Bezugsanschluss, hier steckt immer die schwarze Leitung
VΩ (oft mit Diode und Durchgang)rote Leitung für Spannung, Widerstand, Durchgang, Diode, oft auch Kapazität und Frequenz
mA oder µA mArote Leitung für kleine Ströme, mit Feinsicherung abgesichert
10 A oder Arote Leitung für große Ströme, mit eigener Hochleistungssicherung
Generisches Digitalmultimeter mit Drehschalter und vier Buchsen
Ein typisches Digitalmultimeter: schwarz immer an COM, rot je nach Messgröße.

Warum ist das so wichtig? In der Strombuchse liegt zwischen Rot und COM nur ein winziger Messwiderstand (Shunt). Hältst du die Spitzen so an eine Spannungsquelle, entsteht ein Kurzschluss. Bestenfalls löst die Sicherung aus, schlimmstenfalls – an einer Netzsteckdose mit einer ungeeigneten Sicherung – gibt es einen Lichtbogen im Gerät.

Batterie mit einem Multimeter im Strombereich direkt parallel geschaltet; Shunt und Sicherung bilden einen Kurzschluss
Im Strombereich liegen zwischen den Buchsen nur Shunt und Sicherung – an einer Spannungsquelle ist das ein Kurzschluss.

Gute Multimeter warnen akustisch, wenn eine Leitung in der Strombuchse steckt, während der Drehschalter auf Spannung steht.

Der Drehschalter

Der Drehschalter wählt Messgröße und, bei manuellen Geräten, den Messbereich. Typische Stellungen:

  • V⎓ bzw. V mit Strich: Gleichspannung
  • V~: Wechselspannung
  • A⎓, A~, mA, µA: Gleich- und Wechselstrom
  • Ω: Widerstand; dazu meist Durchgangsprüfer (Lautsprechersymbol) und Diodentest
  • oft zusätzlich Hz, F (Kapazität), °C mit Temperaturfühler

Geräte mit Autorange wählen den passenden Bereich selbst. Das ist bequem, kostet aber Zeit, weil das Gerät erst probiert. Bei manuellen Geräten beginnst du im höchsten Bereich und schaltest herunter, bis die Anzeige gut ausgenutzt ist.

Messen mit dem Multimeter

Die Grundregeln sind für alle Messgrößen gleich und in eigenen Artikeln ausführlich beschrieben:

  • Spannung messen: parallel zum Messobjekt, Schaltung bleibt in Betrieb.
  • Strom messen: Stromkreis auftrennen, Gerät in Reihe einschleifen.
  • Widerstand messen: nur an spannungsfreien Bauteilen, das Gerät speist selbst einen Messstrom ein.

Der Durchgangsprüfer piept, wenn der Widerstand unter einer Schwelle von typisch 30 bis 50 Ω liegt. Damit findest du Kabelbrüche, prüfst Lötstellen und Leiterbahnen oder suchst bei der Fehlersuche nach Kurzschlüssen.

Prüfspitzen an beiden Enden einer Leitung, Anzeige 0,4 Ω mit Lautsprechersymbol
Durchgangsprüfung einer Leitung: Der Widerstand ist klein, das Multimeter piept.

Der Diodentest schickt einen kleinen Strom durch die Diode und zeigt die Flussspannung an – bei Siliziumdioden etwa 0,5 bis 0,7 V, bei LEDs je nach Farbe deutlich mehr, oft leuchten sie dabei schwach.

Diode mit roter Prüfspitze an der Anode und schwarzer an der Kathode, Anzeige 0,62 V
Diodentest in Durchlassrichtung: Rot an der Anode, Schwarz an der Kathode – angezeigt wird die Flussspannung.

Mittelwert oder True RMS?

Einfache Multimeter messen Wechselspannung, indem sie gleichrichten und den Mittelwert bilden, und rechnen diesen für Sinus in den Effektivwert um. Bei Rechteck- oder Pulssignalen, gedimmten Lampen oder Schaltnetzteilen liegen sie damit spürbar daneben. Geräte mit True RMS (Echteffektivwert) berechnen den Effektivwert aus der Kurvenform und zeigen auch bei verzerrten Signalen richtig an – innerhalb ihrer Bandbreite, die bei günstigen Geräten oft nur bei einigen hundert Hertz bis wenigen Kilohertz liegt. Details stehen unter Wechselspannung und Wechselstrom messen.

Sicherheit und Messkategorie

Hausinstallation in drei Zonen: Hausanschluss CAT IV, Unterverteilung CAT III, Steckdose CAT II
Je näher die Messstelle am Hausanschluss liegt, desto höher die Messkategorie, die Gerät und Leitungen brauchen.

Selbsttest

In welcher Buchse steckt die schwarze Messleitung?

Immer in COM.

Was zeigt „OL“ auf dem Display?

Überlauf: Der Messwert ist größer als der eingestellte Messbereich.

Warum zeigt ein Multimeter ohne True RMS bei einem Rechtecksignal falsch an?

Es misst den Gleichrichtwert und rechnet mit dem Formfaktor des Sinus um; bei anderen Kurvenformen passt dieser Faktor nicht.