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Diode

Wie die Halbleiterdiode Strom nur in eine Richtung leitet, welche Datenblattwerte zählen und wie du Gleichrichter-, Schalt- und Schutzdioden richtig einsetzt.

7 Min. LesezeitDiodeHalbleiterdiodeGleichrichterdiode1N4007

Steckst du eine Batterie verkehrt herum in ein Spielzeug, passiert oft einfach nichts – weil eine Diode in der Zuleitung den falschen Strom sperrt. Im Netzteil verwandeln Dioden die Wechselspannung in Gleichspannung, neben jedem Relais fangen sie die Abschaltspannung der Spule ab, und an den Eingängen eines Mikrocontrollers leiten sie Überspannungen zur Versorgung ab. Die Diode ist das einfachste Halbleiterbauelement und zugleich eines der häufigsten: ein Ventil für elektrischen Strom.

Aufbau und Funktionsweise

Im Inneren steckt ein Siliziumplättchen mit einem p-dotierten und einem n-dotierten Gebiet. Wo beide aneinandergrenzen, bildet sich ein pn-Übergang mit einer Raumladungszone, die freie Ladungsträger verdrängt. Der Anschluss am p-Gebiet heißt Anode, der am n-Gebiet Kathode. Was in der Grenzschicht physikalisch passiert, erklären die Grundlagen; für die Praxis genügen zwei Regeln:

  • Durchlassrichtung: Liegt die Anode positiver als die Kathode, und zwar um mehr als etwa 0,6 V (Silizium), leitet die Diode gut. Der Strom fließt von der Anode zur Kathode.
  • Sperrrichtung: Liegt die Kathode positiver, fließt nur ein winziger Sperrstrom im Nano- bis Mikroampere-Bereich. Erst bei der Durchbruchspannung bricht die Sperrwirkung zusammen – bei gewöhnlichen Dioden meist mit Zerstörung.

Die Diode ist damit ein nichtlineares Bauteil: Ihr Widerstand hängt von der Polarität und vom Strom ab, das Ohmsche Gesetz gilt für sie nicht. Neben Silizium gab es früher Germaniumdioden mit nur etwa 0,3 V Schwellspannung; heute findest du sie praktisch nur noch in Detektorempfängern. Für niedrige Durchlassspannungen nimmt man stattdessen die Schottky-Diode.

Schaltzeichen

Das Dreieck zeigt in Durchlassrichtung, also in die Richtung, in die der technische Strom fließen darf. Der Strich an der Spitze ist die Kathode. Am Bauteil markiert ein Ring dieselbe Seite. Weitere Markierungen, Farbcodes und Typbezeichnungen findest du unter Kennzeichnung von Dioden, alle Varianten des Symbols unter Schaltzeichen.

Schaltzeichen der Diode mit Anode, Kathode und Stromrichtung, daneben eine bedrahtete Diode mit Ring an der Kathode
Der Strich im Symbol und der Ring am Bauteil markieren beide die Kathode; der Durchlassstrom fließt auf sie zu.

Kennlinie und Kennwerte

Die Kennlinie zeigt das Ventilverhalten deutlich: In Durchlassrichtung bleibt der Strom bis etwa 0,5 V winzig, ab 0,6 bis 0,7 V steigt er steil an. Bei Nennstrom einer Gleichrichterdiode liegen dann eher 0,9 bis 1,1 V an, weil zum pn-Übergang noch der Bahnwiderstand des Siliziums und der Anschlüsse kommt. In Sperrrichtung bleibt der Strom bis zur Durchbruchspannung nahezu null.

Kennlinie einer Siliziumdiode mit Durchlassbereich ab 0,6 bis 0,7 V, flachem Sperrbereich und Durchbruch bei −U_BR
Durchlass ab etwa 0,7 V, im Sperrbereich fast kein Strom, bis zum Durchbruch.

Im Datenblatt stehen die Grenz- und Kennwerte. Hier die zwei bekanntesten Typen im Vergleich – eine Schaltdiode und eine Gleichrichterdiode:

KennwertBedeutung1N41481N4007
URRMhöchste periodische Sperrspannung100 V1000 V
IF(AV)mittlerer Durchlassstrom150 mA1 A
IFSMeinmaliger Stoßstrom2 A für 1 µs30 A für eine Halbwelle
UFDurchlassspannung (max.)1 V bei 10 mA1,1 V bei 1 A
IRSperrstrom bei 25 °C25 nA bei 20 V5 µA bei 1000 V
CDSperrschichtkapazität, typisch4 pF15 pF
trrSperrverzögerungszeit4 nseinige µs
TJhöchste Sperrschichttemperatur175 °C150 °C

Zwei Werte verdienen besondere Aufmerksamkeit:

  • Sperrstrom und Temperatur: Der Sperrstrom verdoppelt sich grob alle 10 K. Die 1N4007 hat bei 125 °C bereits 50 µA statt 5 µA (siehe Temperaturverhalten von Halbleitern). Auch die Durchlassspannung ändert sich: Sie sinkt um etwa 2 mV pro Kelvin.
  • Sperrverzögerungszeit trr: Eine leitende Diode hat Ladungsträger in der Grenzschicht gespeichert. Polst du sie schlagartig um, leitet sie kurz rückwärts, bis diese Ladung ausgeräumt ist. Bei 50 Hz stört das nicht, in einem Schaltnetzteil mit 100 kHz macht es eine langsame Gleichrichterdiode heiß. Dort gehören schnelle Typen (etwa UF4007 mit 75 ns) oder Schottky-Dioden hin.

Diodenmodelle zum Rechnen

Für Überschlagsrechnungen ersetzt du die Kennlinie durch ein einfaches Modell:

  1. Ideale Diode: leitet ohne Spannungsabfall oder sperrt vollständig – gut, um die Funktion einer Schaltung zu verstehen.
  2. Konstante Durchlassspannung: Die Diode leitet und nimmt dabei fest 0,7 V weg. Für die meisten Rechnungen genau genug.
  3. Mit Bahnwiderstand: 0,7 V plus ein kleiner Widerstand in Reihe, für größere Ströme.

Bauformen

Kleinsignal- und Schaltdioden stecken in Glasgehäusen wie DO-35 (1N4148) oder als SMD in SOD-123, SOD-323 und MiniMELF. Gleichrichter für 1 A sitzen in DO-41 (Reihe 1N4001 bis 1N4007), für 3 A im dickeren DO-201 (1N5400 bis 1N5408). Die SMD-Entsprechungen heißen SMA, SMB und SMC; die „M7“ im SMA ist das Gegenstück zur 1N4007. Für größere Ströme gibt es Dioden mit Schraubanschluss oder im TO-220, oft zwei in einem Gehäuse.

Dioden in DO-35, DO-41, DO-201, SOD-123 und SMA nebeneinander
Von der Glasdiode bis zum SMD-Gleichrichter: Die Größe folgt dem Strom.

Typische Schaltungen

Gleichrichtung. Eine einzelne Diode lässt nur eine Halbwelle durch (Einweggleichrichter), vier Dioden nutzen beide Halbwellen – das ist der Brückengleichrichter. Wie groß der Ladekondensator dahinter sein muss, berechnest du mit dem Rechner Gleichrichter und Siebkondensator.

Verpolungsschutz. Eine Diode in Reihe zur Versorgung sperrt, wenn die Batterie falsch herum angeschlossen wird. Der Preis ist ihr Spannungsabfall und ihre Verlustleistung.

Verpolungsschutz: 12-V-Batterie, Diode 1N4007 in Reihe und Last, Strom 0,5 A, U_F etwa 0,9 V
Die Diode in Reihe leitet nur bei richtiger Polung – und nimmt dabei knapp 1 V weg.

Freilauf. Parallel zu einer Relaisspule, in Sperrrichtung zur Versorgung, übernimmt eine Diode beim Abschalten den Spulenstrom und schützt den Transistor – siehe Freilaufdiode und Spule an Gleichspannung.

Begrenzen und Entkoppeln. Zwei Dioden von einem Eingang zur Versorgung und nach Masse klemmen die Spannung auf etwa −0,7 V bis UB + 0,7 V. Zwei Dioden mit gemeinsamer Kathode bilden ein Dioden-ODER: Von zwei Versorgungen gewinnt die höhere, ohne dass eine in die andere zurückspeist.

Auswahl und Praxistipps

Wähle die Sperrspannung mit Reserve, etwa das Doppelte der höchsten Spannung, die im Betrieb auftritt – an einem Trafo mit 12 V Effektivwert liegen bereits rund 17 V Spitze. Den Dauerstrom prüfst du über die Verlustleistung P = UF · IF und die Erwärmung (siehe Wärme und Kühlung). Bei schnellen Signalen oder Schaltnetzteilen zählen trr und Kapazität.

Häufige Fehler:

  • Falsch herum eingelötet: Gerade bei SMD-Dioden ohne deutlich sichtbaren Balken. Eine verkehrte Freilaufdiode schließt die Versorgung kurz, sobald der Transistor einschaltet.
  • Langsame Diode im Schaltnetzteil: Eine 1N4007 an 100 kHz wird heiß und erzeugt Störungen.
  • Spannungsabfall vergessen: Hinter einer Verpolungsschutzdiode an 3,3 V bleiben nur noch rund 2,6 V – zu wenig für viele ICs.
  • Sperrstrom unterschätzt: An einem hochohmigen Messeingang verfälschen Mikroampere Leckstrom bei hoher Temperatur das Ergebnis.
  • Dioden parallel geschaltet, um mehr Strom zu bekommen: Wegen des negativen Temperaturkoeffizienten übernimmt die wärmere Diode immer mehr Strom. Nimm lieber einen größeren Typ.

Selbsttest

Welcher Anschluss muss positiver sein, damit eine Diode leitet?

Die Anode – um mindestens etwa 0,6 bis 0,7 V bei Silizium.

Warum eignet sich die 1N4007 nicht als Gleichrichter in einem 100-kHz-Schaltnetzteil?

Ihre Sperrverzögerungszeit liegt im Mikrosekundenbereich; sie leitet bei jedem Umpolen kurz rückwärts und wird heiß. Dort brauchst du schnelle oder Schottky-Dioden.

Eine rote LED mit 1,8 V Flussspannung hängt mit 1 kΩ Vorwiderstand und einer 1N4148 als Verpolungsschutz an 9 V. Wie groß ist der Strom?

I = (9 V − 0,7 V − 1,8 V) / 1 kΩ = 6,5 mA.

Eine Verpolungsschutzdiode führt 2 A bei 1 V Durchlassspannung. Wie viel Leistung setzt sie um?

P = 1 V · 2 A = 2 W – deutlich zu viel für eine 1-A-Diode im DO-41.

Welche Sperrspannung sollte eine Gleichrichterdiode an einer Trafowicklung mit 24 V Effektivwert mindestens haben?

Die Spitze beträgt etwa 34 V; mit Reserve wählst du 100 V oder mehr – eine 1N4002 oder höher.