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Der pn-Übergang

Wie an der Grenze zwischen p- und n-Silizium die Raumladungszone entsteht und warum der Übergang Strom nur in eine Richtung leitet – mit Diodenkennlinie.

5 Min. Lesezeitpn-ÜbergangRaumladungszoneDiffusionsspannungDiode

Der pn-Übergang ist die Keimzelle fast aller Halbleiterbauelemente. Er entsteht überall dort, wo ein p-dotiertes und ein n-dotiertes Gebiet im selben Kristall aneinanderstoßen. Seine wichtigste Eigenschaft: Er lässt Strom in einer Richtung gut durch und sperrt ihn in der anderen fast vollständig. Eine Diode ist nichts anderes als ein einzelner pn-Übergang mit zwei Anschlüssen; ein Bipolartransistor besteht aus zweien.

Was an der Grenze passiert

Im n-Gebiet gibt es viele freie Elektronen, im p-Gebiet viele Löcher (siehe Dotierung). Bringt man beide zusammen, wandern Elektronen durch Diffusion ins p-Gebiet und Löcher ins n-Gebiet – so wie sich ein Tropfen Tinte im Wasser verteilt. An der Grenze treffen sie aufeinander und rekombinieren: Das Elektron füllt das Loch, beide sind als freie Ladungsträger verschwunden.

Zurück bleiben die ortsfesten Ionen der Dotieratome: auf der n-Seite positive Donator-Ionen, auf der p-Seite negative Akzeptor-Ionen. Diese Schicht ohne freie Ladungsträger heißt Raumladungszone (auch Sperrschicht oder Verarmungszone). Sie ist typisch nur Bruchteile eines Mikrometers bis wenige Mikrometer breit.

p- und n-Gebiet mit Raumladungszone, ortsfesten Ionen und elektrischem Feld
Die Raumladungszone: Ortsfeste Ionen bauen ein elektrisches Feld auf, das die weitere Diffusion stoppt.

Die Ionenladungen erzeugen ein elektrisches Feld, das vom n- zum p-Gebiet zeigt. Es treibt Elektronen zurück ins n-Gebiet und Löcher zurück ins p-Gebiet – also genau gegen die Diffusion. Es stellt sich ein Gleichgewicht ein. Die zugehörige Spannung über der Raumladungszone heißt Diffusionsspannung; bei Silizium liegt sie je nach Dotierung bei etwa 0,6 bis 0,9 V, bei Germanium mit seiner kleineren Bandlücke nur bei rund 0,3 V. Messen kannst du sie mit einem Voltmeter nicht: An den Metallkontakten entstehen Gegenspannungen, die sie genau aufheben.

Durchlassrichtung

Legst du den Pluspol einer äußeren Spannung an das p-Gebiet (die Anode) und den Minuspol an das n-Gebiet (die Kathode), wirkt die äußere Spannung der Diffusionsspannung entgegen. Die Raumladungszone wird schmaler, die Barriere niedriger. Ab etwa 0,6 bis 0,7 V bei Silizium (Germanium: rund 0,2 bis 0,3 V) können Elektronen und Löcher in großer Zahl die Grenze überqueren – es fließt ein großer Strom in Durchlassrichtung. Technisch fließt er dabei, wie immer außerhalb der Quelle, vom Pluspol durch die Diode von Anode zu Kathode zurück zum Minuspol.

pn-Übergang in Durchlassrichtung mit schmaler Raumladungszone und Stromfluss
Durchlassrichtung: Plus an der Anode drückt Löcher und Elektronen zur Grenze, die Raumladungszone wird schmal, es fließt Strom.

Der Strom steigt exponentiell mit der Spannung. Das beschreibt die Shockley-Gleichung:

I = IS · (eU / (n · UT) - 1)

Dabei ist IS der winzige Sättigungssperrstrom, n ein Idealitätsfaktor zwischen 1 und 2 und UT = k · T / e ≈ 26 mV die Temperaturspannung bei Raumtemperatur.

Sperrrichtung und Durchbruch

Polst du die Spannung um – Plus an die Kathode –, zieht die äußere Spannung die Ladungsträger von der Grenze weg. Die Raumladungszone wird breiter, und es fließt nur ein sehr kleiner Sperrstrom, getragen von den wenigen Minoritätsträgern. Bei Silizium-Kleinsignaldioden liegt er im Nanoampere-Bereich.

pn-Übergang in Sperrrichtung mit breiter Raumladungszone
Sperrrichtung: Die Ladungsträger werden von der Grenze weggezogen, die Raumladungszone wird breit, es fließt fast kein Strom.

Steigt die Sperrspannung über die Durchbruchspannung UBR, nimmt der Strom plötzlich stark zu. Ursache ist entweder der Zener-Effekt (Elektronen tunneln bei sehr dünner Sperrschicht durch die Barriere, siehe Quantenphysik) oder der Lawineneffekt (beschleunigte Ladungsträger schlagen weitere frei). Bei normalen Dioden zerstört das meist das Bauteil durch Überhitzung; Z-Dioden sind dagegen genau für diesen Betrieb gebaut und stabilisieren so eine Spannung.

Kennlinie einer Siliziumdiode mit Durchlass-, Sperr- und Durchbruchbereich
Kennlinie einer Siliziumdiode: steiler Anstieg ab etwa 0,7 V, winziger Sperrstrom, Durchbruch bei hoher Sperrspannung.

Der pn-Übergang als Kondensator

Die Raumladungszone ist eine isolierende Schicht zwischen zwei leitenden Gebieten – also ein Kondensator. Diese Sperrschichtkapazität sinkt mit steigender Sperrspannung, weil die Zone breiter wird. Kapazitätsdioden (Varicaps) nutzen das, um Schwingkreise per Spannung abzustimmen. Bei schnellen Schaltungen begrenzt dieselbe Kapazität die Schaltgeschwindigkeit.

Sperrschichtkapazität über der Sperrspannung, fallende Kurve
Die Sperrschichtkapazität sinkt mit steigender Sperrspannung – das nutzt die Kapazitätsdiode.

Weitere Anwendungen desselben Prinzips: Leuchtdioden und Fotodioden (Optoelektronik), Solarzellen und Temperatursensoren, denn die Durchlassspannung hängt deutlich von der Temperatur ab (siehe Temperaturverhalten von Halbleitern).

Dioden-Schaltzeichen und bedrahtete Diode mit Kathodenring
Der Strich im Schaltzeichen und der Ring am Bauteil markieren beide die Kathode, also das n-Gebiet.

Selbsttest

Wie entsteht die Raumladungszone?

Elektronen und Löcher diffundieren über die Grenze und rekombinieren; zurück bleiben ortsfeste Ionen ohne freie Ladungsträger.

Wie muss eine Diode gepolt sein, damit sie leitet?

Plus an die Anode (p-Gebiet), Minus an die Kathode (n-Gebiet).

Warum braucht eine Diode in Durchlassrichtung eine Strombegrenzung?

Der Strom steigt exponentiell mit der Spannung – schon geringe Überspannung führt zu einem sehr großen Strom.