Schraubst du ein billiges Elektretmikrofon auf, findest du darin einen winzigen Transistor: einen Sperrschicht-FET, kurz JFET. Er wandelt die extrem hochohmige Kapsel in ein Signal um, das ein Kabel und ein Verstärker verkraften. Auch in rauscharmen Vorverstärkern, in Messgeräten mit hohem Eingangswiderstand, in Operationsverstärkern wie dem TL072 und in einfachen Konstantstromquellen arbeitet der JFET. Als Leistungsschalter hat ihn der MOSFET verdrängt, als Spezialist für kleine Signale ist er bis heute unersetzt.
Aufbau und Funktionsweise
Der JFET ist der einfachste Feldeffekttransistor. Beim N-Kanal-Typ führt ein schmaler n-dotierter Kanal von Source zu Drain. Seitlich sind p-dotierte Zonen eingebracht, die zusammen das Gate bilden. Zwischen Gate und Kanal entsteht so ein pn-Übergang mit seiner Sperrschicht – daher der Name.
Der Übergang wird immer in Sperrrichtung betrieben: Beim N-Kanal-JFET liegt das Gate negativ gegenüber Source. Je negativer UGS, desto breiter wird die Raumladungszone und desto schmaler der leitende Kanal. Bei der Abschnürspannung UP (im Datenblatt meist UGS(off)) berühren sich die Sperrschichten, der Kanal ist zu, es fließt kein Drainstrom mehr.
Ohne Gate-Spannung ist der Kanal dagegen offen – der JFET ist selbstleitend. Das ist der wichtigste Unterschied zum gewöhnlichen MOSFET, der ohne Gate-Spannung sperrt. Wie sich die Raumladungszone mit der Spannung verändert, beschreibt Dotierung zusammen mit dem Artikel zum pn-Übergang.
Weil der Gate-Übergang gesperrt ist, fließt nur ein winziger Leckstrom von typisch einigen Pikoampere bis Nanoampere. Der Eingangswiderstand liegt bei 109 bis 1012 Ω. Viele JFETs sind zudem symmetrisch aufgebaut, Drain und Source lassen sich dann vertauschen.
Schaltzeichen
Der Kanal ist als durchgehende Linie gezeichnet, weil der JFET ohne Gate-Spannung leitet. Der Pfeil sitzt am Gate und zeigt die Richtung des pn-Übergangs: beim N-Kanal zum Kanal hin, beim P-Kanal vom Kanal weg. Eine Übersicht weiterer Symbole findest du unter Schaltzeichen.
Kennlinien und Kennwerte
Die Übertragungskennlinie zeigt den Drainstrom über der Gate-Spannung. Sie verläuft nahezu wie eine Parabel: Bei UGS = 0 fließt der größte Strom, der Drain-Sättigungsstrom IDSS; bei UGS = UP ist der Strom null. Dazwischen gilt näherungsweise
Das Ausgangskennlinienfeld ähnelt dem des Bipolartransistors, nur ist jede Kurve einer Gate-Spannung zugeordnet. Bei kleinen Drainspannungen verhält sich der Kanal wie ein Widerstand, dessen Wert sich über UGS einstellen lässt. Oberhalb der Abschnürgrenze bleibt der Strom nahezu konstant – das ist der Bereich für Verstärker und Stromquellen.
Die Steilheit gm = ΔID / ΔUGS sagt, wie stark der Strom auf die Gate-Spannung reagiert. Sie ist bei UGS = 0 am größten (gm0 = 2 · IDSS / |UP|) und nimmt zur Abschnürung hin ab.
| Typ | UDS | IDSS | UGS(off) | Einsatz |
|---|---|---|---|---|
| 2N5457 | 25 V | 1–5 mA | −0,5 bis −6 V | Allzweck, NF |
| BF245A / B / C | 30 V | 2–6,5 / 6–15 / 12–25 mA | −0,25 bis −8 V | NF, HF, sortiert nach IDSS |
| J310 | 25 V | 24–60 mA | −2 bis −6,5 V | HF-Verstärker, Oszillatoren |
| J113 | 35 V | ≥ 2 mA | −0,5 bis −3 V | Analogschalter, RDS(on) ≤ 100 Ω |
| MMBF4391 | 30 V | 50–150 mA | −4 bis −10 V | Schalter im SOT-23 |
Fällt dir die riesige Streuung auf? IDSS und UP schwanken bei einem Typ oft um den Faktor fünf bis zehn. Deshalb sortieren manche Hersteller in Gruppen (BF245A/B/C), und in Präzisionsschaltungen werden JFETs ausgemessen oder mit einem Trimmer abgeglichen.
Konstantstromquelle mit einem Widerstand
Die bekannteste Einzelanwendung: Ein JFET mit einem Widerstand RS in der Source-Leitung, das Gate am unteren Ende von RS. Fließt Strom, fällt an RS eine Spannung ab, die das Gate negativ gegenüber Source macht und den Strom bremst. Es stellt sich ein Gleichgewicht ein, das nahezu unabhängig von der Spannung an der Last bleibt.
Damit die Stromquelle regelt, muss am JFET mindestens die Abschnürspannung plus etwas Reserve anliegen – bei 12 V Versorgung bleibt so Platz für mehrere Volt an der Last. Ohne Widerstand, Gate direkt an Source, fließt einfach IDSS; nach diesem Prinzip arbeiten fertige Stromregeldioden wie die Reihe J500 oder 1N5283. Allgemeines zu Stromquellen steht unter Konstantstromquelle.
Weitere Anwendungen
- Impedanzwandler im Elektretmikrofon: Die Kapsel liefert eine Spannung aus einer Quelle von vielen Gigaohm; der JFET im Gehäuse (Drainschaltung oder Sourceschaltung) treibt das Kabel.
- Rauscharme Vorverstärker für Mikrofone, Tonabnehmer, Fotodioden und Messgeräte, bei denen eine hochohmige Quelle nicht belastet werden darf.
- Operationsverstärker mit JFET-Eingang (TL07x, TL08x, OPA164x): Eingangsströme von einigen zehn Pikoampere statt Nanoampere, siehe Operationsverstärker.
- Analogschalter und spannungsgesteuerte Widerstände: Unterhalb der Abschnürgrenze wirkt der Kanal als Widerstand, dessen Wert UGS bestimmt – etwa zur Amplitudenregelung in Oszillatoren.
- HF-Verstärker und Oszillatoren mit dem J310 im UKW-Bereich.
Auswahl und Praxistipps
- Polarität beachten: Beim N-Kanal-JFET muss das Gate negativ oder auf gleicher Spannung wie Source liegen. Eine positive Gate-Spannung über etwa 0,5 V macht aus dem hochohmigen Eingang eine leitende Diode.
- Streuung einplanen: Eine Schaltung, die nur mit genau einem IDSS funktioniert, braucht Abgleich oder ausgemessene Exemplare.
- Verfügbarkeit prüfen: Viele klassische Typen (2SK30, 2SK170, BF256) sind abgekündigt; neue Entwicklungen greifen auf SMD-Typen wie MMBF5457 oder BF545 und spezielle rauscharme JFETs zurück.
- ESD: Der Gate-Übergang ist robuster als ein MOSFET-Gate, aber kein Freibrief – siehe ESD.
- Gegenstück MOSFET: Brauchst du einen Schalter, der ohne Gate-Spannung sperrt, oder große Ströme, nimm einen MOSFET. Den Unterschied zum Bipolartransistor zeigt der Überblicksartikel zum Feldeffekttransistor.
Selbsttest
Warum ist der JFET selbstleitend?
Ohne Gate-Spannung ist der Kanal zwischen Source und Drain offen; erst eine Sperrspannung am Gate verbreitert die Sperrschichten und schnürt ihn ab.
Was bedeutet IDSS?
Den Drainstrom bei UGS = 0 im Abschnürbereich, also den größten Strom, den der JFET im normalen Betrieb führt.
Ein JFET mit IDSS = 8 mA und UP = −2 V bekommt UGS = −1 V. Welcher Drainstrom fließt?
ID = 8 mA · (1 − 0,5)2 = 2 mA.
Warum muss eine JFET-Konstantstromquelle abgeglichen werden?
IDSS und UP streuen von Exemplar zu Exemplar stark; derselbe Source-Widerstand ergibt deshalb sehr unterschiedliche Ströme.
In welche Richtung zeigt der Gatepfeil beim P-Kanal-JFET?
Vom Kanal weg.