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Magnetische Größen und Einheiten

Durchflutung, Feldstärke, Flussdichte, Fluss, Permeabilität und Induktivität – die magnetischen Größen mit Formeln, Einheiten und Beispiel.

5 Min. LesezeitDurchflutungmagnetische FeldstärkeFlussdichteTesla

Beim elektrischen Stromkreis kommst du mit Spannung, Strom und Widerstand weit. Der magnetische Kreis – etwa in einem Transformator, einer Drossel oder einem Relais – hat ganz ähnliche Größen, nur mit anderen Namen. Wer sie einmal sortiert hat, kann Spulen abschätzen, Datenblätter von Ferritkernen lesen und versteht, warum ein Kern in die Sättigung geht.

Die Größen im Überblick

GrößeFormelzeichenEinheitBedeutung
DurchflutungΘAmpere (A)Ursache des Felds: Strom mal Windungszahl
magnetische FeldstärkeHA/mDurchflutung pro Feldlinienlänge
magnetische FlussdichteBTesla (T = Vs/m²)Stärke des Felds an einem Ort
magnetischer FlussΦWeber (Wb = Vs)gesamtes Feld durch eine Fläche
Permeabilitätμ = μ0 · μrVs/(Am)wie gut ein Stoff das Feld leitet
InduktivitätLHenry (H = Vs/A)Fluss je Strom in einer Spule

Durchflutung und Feldstärke

Die Ursache jedes Magnetfelds aus Strom ist die Durchflutung: der Strom I, der durch eine Spule mit N Windungen fließt, zählt N-mal.

Θ = N · I

Allgemein ist die Durchflutung die Summe aller Ströme, die von einer geschlossenen Feldlinie umfasst werden – bei der Spule eben N-mal derselbe Strom. Ihre Einheit ist das Ampere; oft schreibt man „Amperewindungen“ (AW), um die Herkunft deutlich zu machen. 100 Windungen mit 0,5 A ergeben dieselbe Durchflutung wie 10 Windungen mit 5 A. Weil sie das Feld antreibt wie die Spannung den Strom, nennt man sie auch magnetische Urspannung.

Verteilt sich diese Durchflutung auf eine mittlere Feldlinienlänge l, ergibt sich die magnetische Feldstärke:

H = Θl = N · Il

Sie beschreibt, wie stark das Feld „angetrieben“ wird – unabhängig vom Material im Kern. Im Vergleich mit dem Stromkreis entspricht die Durchflutung der Spannung, die Feldstärke der Feldstärke im elektrischen Feld.

Lange Zylinderspule mit N Windungen, Länge l, Strom I und Feldstärke H im Inneren
In einer langen Spule verteilt sich die Durchflutung N · I auf die Länge l: Das ergibt die Feldstärke H.

Flussdichte und Permeabilität

Wie viel Feld tatsächlich entsteht, hängt vom Stoff ab, den die Feldlinien durchsetzen. Die Flussdichte B ist die Größe, die Kräfte auf Leiter und Induktionsspannungen bestimmt:

B = μ0 · μr · H

Die magnetische Feldkonstante beträgt μ0 ≈ 4π · 10-7 Vs/Am ≈ 1,257 · 10-6 Vs/Am. Die Permeabilitätszahl μr gibt an, um wie viel ein Stoff das Feld gegenüber Vakuum verstärkt: Luft und Kupfer haben praktisch 1, Ferrite einige Hundert bis über 10 000, Elektroblech mehrere Tausend.

Bei ferromagnetischen Stoffen ist μr allerdings keine Konstante. Mit steigender Feldstärke richten sich immer mehr Weiss'sche Bezirke aus, bis keine mehr übrig sind: Der Kern ist gesättigt, und B wächst kaum noch. Für Elektroblech liegt die Sättigung bei etwa 1,5 bis 2 T, für Ferrite schon bei 0,3 bis 0,5 T.

Magnetisierungskurve B über H mit Sättigung
Magnetisierungskurve: Mit Eisenkern steigt B zunächst steil und flacht in der Sättigung ab.
BeispielFlussdichte (ungefähr)
Erdmagnetfeld in Mitteleuropa50 µT
Kühlschrankmagnet5 mT
Neodym-Magnet an der Oberfläche0,5–1,4 T
Transformatorkern, Luftspalt eines Elektromotorsetwa 1–1,7 T
MRT-Gerät1,5–7 T

Magnetischer Fluss und Induktivität

Multiplizierst du die Flussdichte mit der Fläche A, die sie senkrecht durchsetzt, erhältst du den magnetischen Fluss; umgekehrt ist die Flussdichte der Fluss pro Fläche:

Φ = B · A B = ΦA

Trotz des Namens fließt dabei nichts – der Begriff kommt aus der Analogie zum Strom: Der Fluss ist gewissermaßen die Gesamtzahl der Feldlinien, die Flussdichte ihre Dichte. Seine Einheit Voltsekunde (Weber) folgt direkt aus dem Induktionsgesetz: Ändert sich der Fluss durch eine Windung in 1 s um 1 Vs, wird 1 V induziert.

Feldlinien durchsetzen senkrecht eine Fläche A, Formel Φ = B · A
Die Flussdichte B ist die Dichte der Feldlinien, der Fluss Φ ihre Gesamtzahl durch die Fläche A.

Der Fluss ist die Größe, deren Änderung bei der Induktion eine Spannung erzeugt. Fasst man alle Größen für eine Spule zusammen, ergibt sich ihre Induktivität:

L = N · ΦI = μ0 · μr · N2 · Al

Die Induktivität wächst mit dem Quadrat der Windungszahl: Doppelt so viele Windungen ergeben die vierfache Induktivität. Hersteller von Ferritkernen geben deshalb oft den AL-Wert an, die Induktivität pro Windung zum Quadrat: L = AL · N2.

Ringkern mit Wicklung, Feldlinienlänge und Querschnitt
Ringkern: Die Feldlinien verlaufen geschlossen im Kern; l ist die mittlere Feldlinienlänge, A der Querschnitt.
Ringkern mit Wicklung und schmalem Luftspalt, durch den die Feldlinien treten
Ein schmaler Luftspalt erhöht den magnetischen Widerstand des Kerns und verschiebt die Sättigung zu höheren Strömen.

Analogie zum Stromkreis

Viele Elektroniker merken sich den magnetischen Kreis über die Ähnlichkeit zum Ohmschen Gesetz: Die Durchflutung Θ treibt den Fluss Φ durch einen magnetischen Widerstand Rm = l / (μ0 · μr · A), also Θ = Rm · Φ. Ein kleiner Luftspalt im Kern erhöht Rm stark – genau das nutzt man bei Speicherdrosseln, um die Sättigung zu höheren Strömen zu verschieben.

Stromkreis und magnetischer Kreis nebeneinander mit den Entsprechungen U zu Θ, I zu Φ und R zu Rm
Der magnetische Kreis funktioniert wie ein Stromkreis: Θ treibt Φ durch den magnetischen Widerstand R_m.

Selbsttest

Welche Durchflutung erzeugen 500 Windungen mit 40 mA?

Θ = 500 · 0,04 A = 20 A.

Was passiert mit der Induktivität, wenn du die Windungszahl verdreifachst?

Sie wird neunmal so groß, weil L mit N2 wächst.

Warum steigt B in einem Eisenkern bei hohen Strömen kaum noch?

Der Kern ist gesättigt – alle Weiss'schen Bezirke sind schon ausgerichtet.