Jeder USB-Ladeadapter, jedes Mainboard und fast jedes Mikrocontroller-Board mit Akku hat einen Schaltregler – und neben dessen IC sitzt ein dunkler Würfel, der größer ist als alles andere auf der Platine. Das ist die Speicherdrossel, auch Leistungsinduktivität oder englisch Power Inductor genannt. Sie ist eine Spule, die für einen Zweck optimiert ist: in jedem Schalttakt Energie im Magnetfeld aufzunehmen und wieder abzugeben, und das bei großem Gleichstrom, hoher Frequenz und möglichst kleinen Verlusten.
Aufbau und Funktionsweise
Ein Schaltregler wandelt Spannung nicht, indem er die Differenz verheizt wie ein Linearregler, sondern indem er sehr schnell ein- und ausschaltet. Die Drossel ist der Zwischenspeicher, der aus diesen Rechteckpulsen einen gleichmäßigen Strom macht. Am Beispiel des Abwärtswandlers (Buck):
- Schalter ein: Am Eingang der Drossel liegt die Eingangsspannung, am Ausgang die kleinere Ausgangsspannung. Die Differenz treibt einen linear ansteigenden Strom durch die Drossel; die Energie W = ½ · L · I2 im Magnetfeld wächst (siehe Spule im Gleichstromkreis).
- Schalter aus: Die Drossel will den Strom weitertreiben – das ist die Selbstinduktion. Der Strom fließt nun über eine Freilaufdiode oder einen zweiten Transistor weiter zum Ausgang und fällt dabei linear ab.
Der Strom durch die Drossel ist also ein Dreieck, das um den Ausgangsstrom pendelt. Die Spitze-Spitze-Schwankung heißt Rippelstrom ΔI.
Damit das funktioniert, muss die Drossel einen großen Gleichstrom tragen, ohne dass ihr Kern sättigt. Ein Ferritkern mit hoher Permeabilität wäre schon bei wenigen hundert Milliampere gesättigt. Speicherdrosseln haben deshalb entweder einen Ferritkern mit Luftspalt oder einen Kern aus gepresstem Metallpulver, dessen isolierte Körner wie ein verteilter Luftspalt wirken. Im Luftspalt wird der Großteil der Energie gespeichert – mehr dazu unter magnetische Größen.
Das Schaltzeichen ist das der Spule mit Magnetkern: Halbkreisbögen nach IEC mit einem Strich parallel zur Wicklung, Kurzzeichen L.
Strom in der Drossel
Für den Abwärtswandler im kontinuierlichen Betrieb gelten:
Dabei ist D der Tastgrad, f die Schaltfrequenz und IA der Ausgangsstrom. Der Rippelstrom hängt nicht vom Laststrom ab, sondern nur von Spannungen, Frequenz und Induktivität. Bewährt hat sich ein Rippelstrom von 20 bis 40 % des größten Ausgangsstroms:
- Kleiner Rippel (große Induktivität): wenig Restwelligkeit, kleine Kernverluste – aber eine große Drossel mit mehr Windungen, höherem DCR und langsamerer Reaktion auf Lastsprünge.
- Großer Rippel (kleine Induktivität): kleine, billige Drossel und schnelle Regelung – aber höherer Spitzenstrom, mehr Welligkeit am Ausgang und mehr Verluste im Kondensator.
Beim Aufwärtswandler (Boost) liegt die Drossel am Eingang. Dort gilt D = 1 - UE / UA und ΔI = UE · D / (f · L); der mittlere Drosselstrom ist der Eingangsstrom und damit größer als der Ausgangsstrom.
Kennwerte im Datenblatt
| Kennwert | Bedeutung | Worauf du achtest |
|---|---|---|
| L | Induktivität bei 0 A, oft ±20 % | Untere Toleranzgrenze in die Rippelrechnung einsetzen |
| Isat | Strom, bei dem L um 10, 20 oder 30 % gesunken ist | Größer als der höchste Spitzenstrom, besser als die Strombegrenzung des Reglers |
| Irms | Dauerstrom für 20 K oder 40 K Erwärmung | Größer als der Effektivstrom, mit Reserve bei warmer Umgebung |
| DCR | Gleichstromwiderstand der Wicklung | Bestimmt die Kupferverluste I2 · R |
| SRF | Eigenresonanz | Bei Schaltreglern meist unkritisch, sollte weit über f liegen |
Zu den Kupferverlusten kommen Kernverluste: Das Magnetfeld schwingt mit dem Rippelstrom, und jeder Ummagnetisierungszyklus kostet Energie durch Hysterese und Wirbelströme. Sie steigen mit Frequenz und Rippel stark an. Hersteller wie Würth, Coilcraft oder TDK stellen dafür Online-Rechner bereit; das Datenblatt allein nennt sie meist nicht.
Bauformen
- Ungeschirmte Trommelkerndrosseln: Die Wicklung liegt offen auf einem Ferritkörper. Billig und mit hohem Isat pro Volumen, aber mit großem Streufeld, das in benachbarte Leitungen einkoppelt.
- Halbgeschirmte Drosseln: Um die Wicklung ist eine Masse aus Harz mit Ferritpulver vergossen. Das senkt das Streufeld deutlich bei kaum höheren Kosten.
- Geschirmte Drosseln: Eine Ferrithülse umschließt die Wicklung; der Fluss läuft fast vollständig im Kern. Beispiele sind die Serien WE-PD von Würth oder SRR von Bourns.
- Gepresste Metallpulverdrosseln (molded, „Metal Composite“): Die Wicklung ist direkt in Metallpulver eingepresst, etwa bei Coilcraft XAL, Würth WE-XHMI oder Vishay IHLP. Sie sättigen sehr weich, sind mechanisch robust, brummen kaum und streuen wenig – heute der Standard für Schaltregler bis einige Megahertz.
- Bedrahtete Ringkerndrosseln: Kupferlackdraht auf Eisenpulverring, für große Ströme und in Netzteilen mit 50-Hz-Gleichrichtung.
Auslegung für einen Abwärtswandler
Rechne für den ungünstigsten Fall: höchste Eingangsspannung (größter Rippel), Induktivität an der unteren Toleranzgrenze und größter Laststrom.
Die Formeln für Buck und Boost samt Ausgangskondensator rechnet dir der Rechner:
Schaltregler (Buck und Boost)
- Tastgrad D
- 46,3 %
- Mindest-Induktivität
- 9,72 µH
- Spule nach E6
- 10 µH
- Rippelstrom ΔIL damit
- 583 mA
- Spitzenstrom Spule und Schalter
- 2,29 A
- Effektivstrom der Spule
- 2,01 A
- Kondensator C ≥
- 2,92 µF
- ESR des Kondensators ≤
- 85,7 mΩ
- Eingangsstrom (Mittel)
- 926 mA
- Lückt unterhalb von Iaus =
- 292 mA
D = Uaus / (Uein · η); L = Uaus · (Uein − Uaus) / (ΔIL · fS · Uein); Î = Iaus + ΔIL/2; C ≥ ΔIL / (8 · fS · ΔUaus); ESR ≤ ΔUaus / ΔIL. Nach TI SLVA477. Nicht lückender Betrieb (CCM), Rippelstrom bezogen auf den mittleren Spulenstrom, ohne Spannungsabfälle an Schalter und Diode. C und ESR teilen sich die Rippelspannung nicht: Jeder Wert allein erzeugt schon ΔUaus, plane deshalb Reserve ein. Keramikkondensatoren verlieren unter Gleichspannung deutlich an Kapazität. Wie viel Wärme der Schalter abgibt, rechnest du mit dem MOSFET-Rechner nach.
Auswahl und Praxistipps
Beginne mit der Empfehlung im Datenblatt des Schaltregler-ICs. Viele ICs haben eine interne Kompensation, die nur mit einem bestimmten Induktivitätsbereich stabil regelt. Danach prüfst du Isat gegen den Spitzenstrom und die Strombegrenzung, Irms gegen den Effektivstrom, und zuletzt Bauhöhe und Grundfläche.
Häufige Fehler:
- Mit der Nenninduktivität statt mit der unteren Toleranz gerechnet: Bei −20 % steigt der Rippel um 25 %.
- Isat nur knapp über dem Laststrom: Beim Einschalten, bei Kurzschluss am Ausgang oder bei Lastsprüngen fließt Strom bis zur Strombegrenzung des Reglers. Sättigt die Drossel dabei, steigt der Strom so schnell, dass die Begrenzung zu spät greift.
- Ungeschirmte Drossel neben dem Analogteil: Das Streufeld koppelt in Audioleitungen, Sensoren oder Antennen ein, siehe EMV.
- Ferritdrossel heiß betrieben: Der Sättigungsstrom von Ferrit sinkt mit steigender Temperatur deutlich. Was bei 25 °C reicht, sättigt bei 100 °C womöglich schon.
- Pfeifen und Brummen: Im Lückbetrieb oder bei Burst-Modi im hörbaren Bereich schwingen Wicklung und Kern mechanisch. Gepresste Bauformen sind deutlich leiser.
Selbsttest
Warum hat eine Speicherdrossel einen Luftspalt oder einen Pulverkern?
Ohne Luftspalt würde der Ferritkern schon bei kleinem Gleichstrom sättigen. Der Luftspalt senkt die Permeabilität, erhöht den zulässigen Strom und speichert den Großteil der Energie.
Hängt der Rippelstrom eines Abwärtswandlers vom Laststrom ab?
Nein, im kontinuierlichen Betrieb nur von Eingangs- und Ausgangsspannung, Frequenz und Induktivität.
Ein Abwärtswandler macht aus 5 V bei 1 MHz 1,8 V. Welcher Rippel ergibt sich mit 2,2 µH?
D = 0,36, ΔI = (5 V − 1,8 V) · 0,36 / (1 MHz · 2,2 µH) ≈ 0,52 A.
Welche Grenze ist beim Kurzschluss am Ausgang entscheidend, Isat oder Irms?
Isat: Der Spitzenstrom erreicht die Strombegrenzung des Reglers, und die Drossel darf dabei nicht sättigen. Irms ist eine thermische Grenze und gilt im Mittel.
Warum sind gepresste Metallpulverdrosseln in modernen Schaltreglern so verbreitet?
Sie sättigen weich, haben ein kleines Streufeld, sind mechanisch robust und kaum hörbar.