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Digitalpotentiometer

Wie ein Digitalpotentiometer per SPI oder I²C einen Widerstand einstellt, welche Grenzen bei Spannung, Strom und Toleranz gelten und wie du es sicher beschaltest.

7 Min. LesezeitDigitalpotentiometerdigitales PotentiometerDigipotMCP4131

Ein Gerät soll seine Lautstärke per Fernbedienung ändern, ein Messverstärker sich selbst kalibrieren, ein Netzteil seine Ausgangsspannung auf Befehl des Mikrocontrollers anpassen. Ein mechanisches Potentiometer hilft da nicht weiter – niemand dreht am Knopf. Hier setzt das Digitalpotentiometer an: ein kleiner IC, der sich elektrisch wie ein Poti verhält, dessen Schleifer aber per Datenbus gesetzt wird. Es verschleißt nicht, kratzt nicht und braucht keinen Platz an der Frontplatte.

Aufbau und Funktionsweise

Im Inneren liegt eine Kette aus gleich großen Widerständen zwischen den Anschlüssen A und B. An jedem Knoten der Kette sitzt ein elektronischer Schalter aus MOSFETs, der den Knoten mit dem Schleiferanschluss W verbinden kann. Ein Register legt fest, welcher Schalter geschlossen ist; geschrieben wird es über SPI, I²C oder eine einfache Auf-Ab-Schnittstelle vom Mikrocontroller.

Innenschaltung eines Digitalpotentiometers: Widerstandskette zwischen A und B, Schalter an jedem Knoten zum Schleifer W, gesteuert von Register und SPI-Schnittstelle
Eine Kette gleicher Widerstände, an jedem Knoten ein Schalter: Das Register wählt, welcher Knoten mit dem Schleifer verbunden ist.

Die Zahl der Stellungen ergibt sich aus der Bitbreite des Registers (siehe Zahlensysteme). Ein 7-Bit-Typ hat 128 Widerstände und 129 Stellungen (Code 0 bis 128), ein 8-Bit-Typ 256 Widerstände und 257 Stellungen, Präzisionstypen haben 1024. Eine Stufe ist so groß wie

RS = RABN

mit N als Zahl der Widerstände. Ein 10-kΩ-Typ mit 7 Bit springt also in Schritten von etwa 78 Ω.

Ein genormtes Schaltzeichen gibt es nicht. Meist zeichnet man das Poti-Symbol (siehe Schaltzeichen) und daneben einen Kasten mit der Schnittstelle, oder das Bauteil erscheint als IC-Rechteck mit den Pins A, W, B und den Datenleitungen.

Kennwerte

Am Beispiel der verbreiteten Reihe MCP41x1 von Microchip (SPI, flüchtiger Speicher):

KennwertWertBedeutung
RAB5, 10, 50 oder 100 kΩ, Toleranz ±20 %Gesamtwiderstand der Kette
Auflösung7 Bit (129 Stellungen) oder 8 Bit (257)Zahl der Stellungen
RW75 Ω typisch, bis 160 Ω bei 5,5 VWiderstand des geschlossenen Schalters
IWhöchstens 2,5 mAStrom durch Schleifer und Kette
Spannung an A, W, B0 V bis VDDdie Kette ist kein freier Widerstand
TK absolutetwa 50 ppm/KÄnderung von RAB
TK des Verhältnissesetwa 15 ppm/KÄnderung im Spannungsteiler
Bandbreiteetwa 2 MHz (5-kΩ-Typ)für Audio problemlos
Wert nach dem EinschaltenMittelstellungRegister ist flüchtig

Drei Dinge fallen auf. Erstens ist die Toleranz des Gesamtwiderstands mit ±20 % groß, das Verhältnis in der Schaltung als Spannungsteiler dagegen genau und stabil – wie beim mechanischen Poti. Zweitens kommt in jeder Stellung der Schleiferwiderstand RW hinzu; selbst bei Code 0 sind zwischen W und B noch rund 75 Ω. Drittens vergisst ein flüchtiges Digipot seine Stellung beim Ausschalten. Typen mit nichtflüchtigem Speicher (EEPROM), etwa der X9C103 mit 100 Stellungen und Auf-Ab-Schnittstelle, starten in der zuletzt gespeicherten Stellung.

Bauformen

Digitalpotentiometer gibt es in kleinen IC-Gehäusen (siehe IC-Gehäuse): DIP-8 für das Steckbrett, SOIC-8 und MSOP-8 für Platinen, SOT-23 und winzige DFN-Gehäuse für Geräte mit wenig Platz. Häufig sind ein oder zwei, manchmal vier Potis in einem Gehäuse. Es gibt Varianten als vollständiges Poti (A, W, B) und als Rheostat mit nur zwei Widerstandsanschlüssen, die einen Pin sparen. Hochvolttypen mit eigener Versorgung erlauben Signale bis etwa 30 V.

Digitalpotentiometer in den Gehäusen DIP-8, SOIC-8, MSOP-8 und SOT-23-6
Digitalpotentiometer sind kleine ICs: von DIP-8 für das Steckbrett bis SOT-23 für enge Platinen.

Typische Anwendungen

  • Abgleich in der Fertigung: Statt einen Trimmer von Hand zu verstellen, misst ein Prüfplatz und schreibt den Wert ins nichtflüchtige Register.
  • Verstärkung einstellen: Als Gegenkopplungswiderstand an einem Operationsverstärker macht das Digipot die Verstärkung programmierbar.
  • Lautstärke und Klang: In Audiogeräten mit Tasten oder Fernbedienung, oft mit logarithmisch gestuften Spezialtypen.
  • Ausgangsspannung eines Reglers: Im Rückkopplungsteiler eines Spannungsreglers verschiebt es die Ausgangsspannung – hier ist besondere Vorsicht beim Einschaltwert geboten.
  • Offset- und Schwellwerte: etwa die Schaltschwelle eines Komparators.

Rechenbeispiel: Verstärkung per Software

Ein nichtinvertierender Verstärker hat die Verstärkung V = 1 + Rf / Rg. Als Rf dient ein 10-kΩ-Digipot mit 7 Bit im Rheostatbetrieb (W und B), Rg ist ein fester 1-kΩ-Widerstand.

Nichtinvertierender Verstärker: Digitalpotentiometer als Rückkopplungswiderstand R_f zwischen Ausgang und invertierendem Eingang, R_g = 1 kΩ nach Masse
Das Digitalpotentiometer als Rückkopplungswiderstand macht die Verstärkung zur Einstellung im Programm.

Wie gut der Wandler danach das verstärkte Signal auflöst, zeigt der ADC-Rechner. Die Verstärkung selbst rechnest du mit dem Rechner nach:

Rechner

Verstärkung eines Operationsverstärkers

Verstärkung V
11
In Dezibel
20,8 dB
Eingangswiderstand
sehr hoch (OPV-Eingang)
−+R2 = 100 kΩuausR1 = 10 kΩueinEingangAusgangV = 11

V = 1 + R2 / R1, mindestens 1 (Spannungsfolger ohne R1). Gilt für einen idealen OPV mit sehr hoher Leerlaufverstärkung. Die Bandbreite sinkt etwa auf GBW / (1 + R2/R1); der Ausgang kommt nur so weit an die Versorgung heran, wie das Datenblatt erlaubt (Rail-to-Rail oder nicht).

Auswahl und Praxistipps

Kläre zuerst Schnittstelle, Zahl der Stellungen und ob die Stellung das Ausschalten überleben muss. Dann prüfst du, ob alle Signale innerhalb der Versorgungsspannung bleiben, und rechnest den größten Schleiferstrom.

Häufige Fehler:

  • Signal außerhalb der Versorgung: Ein Audiosignal, das um 0 V schwingt, an einem Digipot mit 0 bis 5 V Versorgung wird abgeschnitten; die negativen Halbwellen leiten über die Schutzdioden ab. Hebe das Signal auf halbe Versorgungsspannung oder nimm einen Typ mit symmetrischer Versorgung.
  • Schleiferstrom überschritten: Im Rheostatbetrieb mit 5 V direkt an W und B fließen bei Code 0 über die 75 Ω etwa 67 mA – mehr als das Fünfundzwanzigfache des erlaubten Werts. Ein Vorwiderstand von mindestens 5 V / 2,5 mA = 2 kΩ in Reihe schützt den IC.
  • Einschaltzustand vergessen: Ein flüchtiges Digipot startet in Mittelstellung. Steckt es im Rückkopplungsteiler eines Netzteils, liefert das Netzteil nach dem Einschalten zunächst eine Spannung, die du nie programmiert hast. Plane den Teiler so, dass jede mögliche Stellung ungefährlich ist.
  • Versorgung später als Signal: Liegt an A oder B Spannung, bevor der IC versorgt ist, fließt Strom über die Schutzdioden in die Versorgung.
  • Zu wenige Stufen für Audio: 7 Bit linear ergeben bei kleiner Lautstärke hörbare Sprünge. Für Audio gibt es Typen mit Dezibel-Stufen.

Selbsttest

Wie groß ist eine Stufe bei einem 50-kΩ-Digipot mit 8 Bit?

50 kΩ / 256 ≈ 195 Ω.

Warum ist bei Code 0 zwischen W und B nicht 0 Ω?

Der geschlossene Schalter hat selbst einen Widerstand, den Schleiferwiderstand RW, typisch um 75 Ω.

Ein Digipot wird mit 3,3 V versorgt. Darf an Anschluss A ein Signal von 5 V liegen?

Nein. Alle Anschlüsse der Widerstandskette müssen zwischen 0 V und der Versorgungsspannung bleiben.

Warum ist die Verstärkung im Rheostatbetrieb ungenau, die Teilung im Spannungsteilerbetrieb aber genau?

Der Gesamtwiderstand hat ±20 % Toleranz; im Spannungsteiler zählt nur das Verhältnis der Teilwiderstände, und das ist genau.

Was passiert mit der Stellung eines flüchtigen Digipots beim Ausschalten?

Sie geht verloren; nach dem Einschalten steht der Schleifer meist in Mittelstellung.