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Unterspannungswächter

Tiefentladeschutz für einen 12-V-Bleiakku: TL431 als Komparator mit Hysterese trennt die Last per P-MOSFET bei 11,0 V und schaltet sie erst bei 12,35 V wieder zu.

8 Min. LesezeitUnterspannungswächterTiefentladeschutzUnterspannungsabschaltungLow Voltage Disconnect

Ein Bleiakku, der unter etwa 10,5 V entladen wird, verliert dauerhaft Kapazität. Lithium-Akkus nehmen eine Tiefentladung noch übler. Trotzdem passiert es ständig: Die Campingleuchte bleibt an, der Kühlschrank im Wohnmobil läuft übers Wochenende, die Solaranlage bekommt eine Woche keine Sonne. Ein Unterspannungswächter passt auf. Er misst die Akkuspannung und trennt die Last, bevor es zu spät ist.

Zwei Dinge muss er richtig machen. Er braucht eine genaue Schaltschwelle, und er braucht eine große Hysterese. Ein entlasteter Akku erholt sich nämlich sofort um einige Zehntel Volt. Ein Wächter mit nur einer Schwelle würde die Last deshalb gleich wieder einschalten, und das Spiel ginge im Sekundentakt weiter. Diese Schaltung schaltet bei 11,0 V ab und erst bei 12,35 V wieder ein, also erst, wenn der Akku nachgeladen wurde. Herz der Schaltung ist eine Spannungsreferenz TL431, die hier als Komparator arbeitet.

Schaltplan

Unterspannungswächter: Pluspol des Akkus an der Source eines P-MOSFET IRF4905, Drain zur Last bis 5 A; Teiler R1 18 kΩ und R2 4,7 kΩ am Akku an den Referenzeingang eines TL431; R5 150 kΩ vom Lastausgang zurück an den Referenzeingang; Kathode des TL431 über R4 1 kΩ am Gate, R3 4,7 kΩ von Gate nach Source
Der TL431 vergleicht den geteilten Akku mit seiner Referenz und schaltet über den P-MOSFET die Last. R5 sorgt für die Hysterese.
  • R1, 18 kΩ, und R2, 4,7 kΩ: ein Spannungsteiler, der die Akkuspannung auf etwa 2,5 V herunterteilt.
  • IC1, TL431: vergleicht die Spannung an seinem Referenzeingang mit 2,495 V. Liegt sie darüber, leitet er von der Kathode zur Anode, darunter sperrt er.
  • R3, 4,7 kΩ, und R4, 1 kΩ: R3 hält das Gate auf Source-Potenzial, solange der TL431 sperrt. Leitet er, ziehen R4 und der TL431 das Gate nach unten.
  • T1, IRF4905: ein P-Kanal-MOSFET mit höchstens 20 mΩ Durchlasswiderstand. Er sitzt als High-Side-Schalter in der Plusleitung.
  • R5, 150 kΩ: führt die Spannung am Lastausgang auf den Referenzeingang zurück und erzeugt die Hysterese.
  • Last: beliebige 12-V-Verbraucher bis 5 A, etwa Beleuchtung, Pumpe oder Kühlbox.

So funktioniert die Schaltung

Akku voll. Bei 12,7 V liefert der Teiler mehr als 2,495 V an den Referenzeingang. Der TL431 leitet und zieht seine Kathode auf etwa 2 V. Über R3 und R4 fließt Strom, am Gate liegen rund 8 V weniger als an der Source. Der MOSFET leitet voll, die Last bekommt Spannung. Weil der Lastausgang nun auf Akkuspannung liegt, schiebt R5 zusätzlich Strom in den Referenzeingang. Der Teiler sieht dadurch etwas mehr Spannung, als der Akku allein liefern würde.

Akku leert sich. Die Spannung sinkt langsam. Wegen R5 reicht sie bis 11,03 V für die Referenzspannung. Darunter sperrt der TL431, R3 zieht das Gate auf Source-Potenzial, der MOSFET trennt die Last.

Akku erholt sich. Jetzt liegt der Lastausgang auf 0 V. R5 zieht den Referenzeingang nach unten, statt ihn anzuheben. Um wieder einzuschalten, muss der Akku auf 12,35 V steigen. Die Erholung nach dem Abschalten bleibt weit darunter. Erst ein Ladegerät oder die Sonne auf dem Solarmodul hebt den Akku so weit an.

Diese Rückkopplung vom Ausgang auf den Eingang ist eine Mitkopplung wie beim Komparator mit Hysterese. Sie sorgt außerdem für ein sauberes Umschalten: Beginnt der MOSFET zu sperren, sinkt die Spannung am Ausgang, R5 zieht den Referenzeingang weiter herunter, und der Vorgang beschleunigt sich selbst.

Spannung am Referenzeingang über der Akkuspannung: mit eingeschalteter Last erreicht sie 2,495 V bei 11,03 V, mit abgeschalteter Last erst bei 12,35 V; dazwischen der Hysteresebereich
Zwei Geraden, je nach Zustand der Last: Wo sie die Referenz schneiden, liegen die beiden Schaltschwellen.

Dimensionierung

1. Schwellen festlegen. Abschalten bei 11,0 V unter Last schützt den Bleiakku zuverlässig. Wieder einschalten soll er erst bei etwa 12,4 V, das entspricht einem zu gut zwei Dritteln geladenen Akku in Ruhe.

2. Teiler ohne Hysterese. Ohne R5 gilt US = Uref · (1 + R1 / R2). Die Mitte zwischen den Schwellen, rund 12 V, ergibt R1 / R2 ≈ 3,8. Damit der Eingangsstrom des TL431 von bis zu 4 µA kaum stört, soll der Teiler einige 100 µA führen: R2 = 4,7 kΩ und R1 = 18 kΩ aus der E24-Reihe.

3. Hysterese mit R5. Bei eingeschalteter Last liegt R5 parallel zu R1, bei abgeschalteter parallel zu R2:

Uaus = Uref · R2 + R1 ‖ R5R2 Uein = Uref · R1 + R2 ‖ R5R2 ‖ R5

Je kleiner R5, desto weiter liegen die Schwellen auseinander. Mit R5 = 150 kΩ:

Uaus = 2,495 V · 4,7 kΩ + 16,07 kΩ4,7 kΩ = 11,03 V Uein = 2,495 V · 18 kΩ + 4,56 kΩ4,56 kΩ = 12,35 V
Rechner

Spannungsteiler

Uaus
3,33 V
Teilerverhältnis
0,667
Strom aus der Quelle
167 µA
Querstrom durch R2
167 µA
Verlust R1 / R2
278 µW / 556 µW

Unbelasteter Teiler: Am Ausgang hängt nichts, was Strom zieht. Gib einen Lastwiderstand ein, um zu sehen, wie weit die Spannung einbricht.

R1 = 10 kΩR2 = 20 kΩohne LastUein5 VUaus3,33 V100 %66,7 %Teiler

4. Gate-Ansteuerung. Leitet der TL431, fließt durch R3 und R4

I = UAkku − 2 VR3 + R4 = 12 V − 2 V5,7 kΩ = 1,75 mA

und am Gate liegen −1,75 mA · 4,7 kΩ = −8,2 V gegenüber der Source.

Wie lange ein Akku eine Last versorgt, rechnest du mit dem Rechner für die Akku-Laufzeit aus.

Bauteilliste

BezeichnerWert/TypHinweis
IC1TL431ATO-92, Referenzanschluss an den Teiler
T1IRF4905P-MOSFET, 55 V, 20 mΩ, TO-220
R118 kΩ, 1 %Teiler oben
R24,7 kΩ, 1 %Teiler unten
R34,7 kΩGate-Source
R41 kΩGate-Vorwiderstand
R5150 kΩ, 1 %Hysterese
F1Sicherung 7,5 Adirekt am Pluspol des Akkus (nicht gezeichnet)
–Leitungen ≥ 1,5 mm²Lastkreis

Varianten

Andere Akkus. Für einen LiFePO4-Akku mit vier Zellen (12,8 V) liegen sinnvolle Schwellen bei 12,0 V und 13,0 V. Du rechnest mit denselben Formeln neu: zuerst das Verhältnis R1/R2 für die Mitte, dann R5 für den Abstand. Für Lithium-Ionen-Zellen gehört der Schutz meist schon in den Akku selbst, siehe Lithium-Ionen-Akku.

Nur Anzeige. Soll nur eine LED warnen, ohne die Last zu trennen, genügt ein Komparator wie im Artikel Komparator durchgerechnet, oder ein Fensterkomparator, wenn auch Überspannung gemeldet werden soll.

Fertige Bausteine. Spannungsdetektoren wie die TPS3839- oder BD48-Reihe enthalten Referenz, Komparator und Hysterese in einem SOT-23-Gehäuse und brauchen weniger als 1 µA. Für feste Schwellen sind sie die eleganteste Lösung.

Mehr Strom. Für höhere Ströme schaltest du zwei MOSFETs parallel oder nimmst einen Typ mit wenigen Milliohm. Die Ansteuerung bleibt gleich. Wie High-Side-Schalter allgemein funktionieren, zeigt der P-MOSFET als High-Side-Schalter.

Typische Fehler

  • MOSFET falsch herum: Mit vertauschtem Drain und Source leitet die Body-Diode immer. Die Last bekommt dann auch bei abgeschaltetem MOSFET Strom, nur 0,7 V weniger. Die Source gehört an den Akku.
  • Ohne Last kein sauberes Ausschalten: Hängt nichts am Ausgang, liegt er bei gesperrtem MOSFET nicht auf 0 V, und die Hysterese fehlt. Ein Widerstand von 100 kΩ vom Ausgang nach Masse sorgt für einen festen Pegel.
  • TL431 verpolt oder falsch angeschlossen: Bei TO-92-Gehäusen unterscheiden sich die Anschlussbelegungen je nach Hersteller. Prüfe am Datenblatt, wo Referenz, Anode und Kathode liegen.
  • Abschaltung im Sekundentakt: Die Hysterese ist zu klein. Prüfe R5: Ein zu großer Wert, etwa 1,5 MΩ statt 150 kΩ, schrumpft den Abstand der Schwellen auf rund 0,15 V.
  • Verpolter Akku: Dann leitet die Body-Diode, die Last bekommt die falsche Polarität. Gegen Verwechslungen beim Anklemmen hilft ein Verpolungsschutz mit MOSFET.

Selbsttest

Warum braucht ein Unterspannungswächter eine große Hysterese?

Ein Akku erholt sich nach dem Abschalten der Last um einige Zehntel Volt. Ohne Hysterese würde der Wächter die Last sofort wieder zuschalten.

Warum verschiebt R5 die Abschaltschwelle nach unten?

Bei eingeschalteter Last liegt R5 am Akku und parallel zu R1. Der Teiler liefert mehr Spannung, der Akku muss tiefer sinken, bis die Referenz unterschritten wird.

Welche Schwelle hätte die Schaltung ohne R5?

2,495 V · (1 + 18 / 4,7) = 12,05 V, für Ein- und Ausschalten gleich.

Wozu dient R3?

Er hält das Gate auf Source-Potenzial, solange der TL431 sperrt. Ohne ihn bliebe das Gate offen, und der MOSFET wäre in einem unbestimmten Zustand.

Warum wird hier ein P-Kanal-MOSFET verwendet?

Er schaltet die Plusleitung, sodass die Last ihre Masse direkt am Akku behält, und lässt sich mit einer Spannung unter der Akkuspannung ansteuern.