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RC-Bandpass

RC-Bandpass aus Hoch- und Tiefpass: ein Sprachband von 300 Hz bis 3 kHz auslegen, die Stufen entkoppeln und verstehen, warum ein RC-Bandpass nie schmal wird.

7 Min. LesezeitRC-BandpassBandpass berechnenBandpassfilterMittenfrequenz

Ein Mikrofon soll Sprache erkennen, aber weder auf das Brummen des Netzteils bei 50 Hz noch auf das Zischen bei 10 kHz reagieren. Ein Schwingungssensor soll nur das Band messen, in dem ein Lager schadhaft klingt. Ein Messsignal braucht weder Gleichspannung noch hochfrequente Störungen. Für alle drei Aufgaben genügt oft ein RC-Bandpass: ein RC-Hochpass und ein RC-Tiefpass hintereinander. Der Hochpass setzt die untere Grenze, der Tiefpass die obere.

Wie jede einzelne Stufe arbeitet, steht in den beiden verlinkten Artikeln. Hier geht es um das, was beim Zusammenschalten neu dazukommt: die gegenseitige Belastung, die Mittenfrequenz und die Grenzen der Schaltung.

Schaltplan

RC-Bandpass: Eingang über C1 100 nF, dahinter R1 5,6 kΩ nach Masse, dann R2 56 kΩ im Längszweig und C2 1 nF nach Masse; Ausgang zu einem Verstärker mit mindestens 1 MΩ Eingangswiderstand
Erst der Hochpass aus C1 und R1, dann der Tiefpass aus R2 und C2 – mit zehnfach höherer Impedanz.
  • C1, 100 nF, und R1, 5,6 kΩ: der Hochpass. Der Folienkondensator C1 sperrt Gleichspannung und dämpft tiefe Frequenzen, R1 bildet den Querzweig.
  • R2, 56 kΩ, und C2, 1 nF: der Tiefpass. Ein Festwiderstand im Längszweig und ein Keramikkondensator mit C0G-Dielektrikum gegen Masse.
  • Quelle: ein niederohmiger Ausgang, etwa der eines Operationsverstärkers im Mikrofonvorverstärker.
  • Last: der hochohmige Eingang der nächsten Stufe, zum Beispiel ein Spannungsfolger.

So funktioniert die Schaltung

Bei tiefen Frequenzen ist der kapazitive Blindwiderstand von C1 groß, fast die ganze Spannung bleibt an ihm hängen. Bei hohen Frequenzen wird C2 niederohmig und schließt das Signal nach Masse kurz. Dazwischen liegt ein Bereich, in dem C1 wie ein Draht und C2 wie eine Lücke wirkt: Hier kommt das Signal fast unverändert durch.

Die beiden Eckfrequenzen sind die Grenzfrequenzen der einzelnen Stufen, fu des Hochpasses und fo des Tiefpasses. Die größte Ausgangsspannung liegt in ihrer geometrischen Mitte:

f0 = √(fu · fo)

Auf der logarithmischen Frequenzachse ist das genau die Mitte zwischen den Eckfrequenzen. Darüber und darunter fällt die Kurve mit 20 dB pro Dekade ab, wie bei jedem Filter erster Ordnung.

Ein Haken bleibt: Die Stufen beeinflussen sich. Der Tiefpass hängt als Last am Querzweig des Hochpasses. Wäre R2 genauso groß wie R1, flösse ein beträchtlicher Teil des Signals schon in die zweite Stufe ab, und beide Grenzfrequenzen verschöben sich. Deshalb wählst du den Tiefpass hochohmiger, mit R2 ≥ 10 · R1.

Dimensionierung

Die Aufgabe: Hinter einem Mikrofonvorverstärker soll nur das Sprachband von etwa 300 Hz bis 3 kHz zum Pegeldetektor gelangen. Der Vorverstärker hat einen OPV-Ausgang, also einen Innenwiderstand von wenigen Ohm.

1. Impedanzniveau des Hochpasses. R1 sollte groß gegen den Innenwiderstand der Quelle sein und klein genug, damit die zweite Stufe zehnmal größer werden kann, ohne in den Megaohmbereich zu kommen. 5,6 kΩ passen.

2. Hochpass berechnen.

C1 = 12π · fu · R1 = 12π · 300 Hz · 5,6 kΩ ≈ 94,7 nF

Mit dem Normwert 100 nF wird fu = 1 / (2π · 5,6 kΩ · 100 nF) ≈ 284 Hz.

3. Tiefpass berechnen. Mit R2 = 10 · R1 = 56 kΩ:

C2 = 12π · fo · R2 = 12π · 3 kHz · 56 kΩ ≈ 947 pF

Mit 1 nF wird fo ≈ 2,84 kHz.

Rechner

Grenzfrequenz von RC-Tief- und Hochpass

Grenzfrequenz fg
1,59 kHz
Zeitkonstante τ
100 µs
uaus / uein
30,3 %
Dämpfung
-10,4 dB
Phase
-72,3°
R = 1 kΩC = 100 nFueinuaus|uaus / uein| in dB0−10−20−30−4010 Hz100 Hz1 kHz10 kHz100 kHzf (logarithmisch)fg = 1,59 kHz (−3 dB)5 kHz: −10,4 dB

Bei fg ist die Ausgangsspannung auf 70,7 % gesunken (−3 dB), die Phase um 45° verschoben.

4. Mittenfrequenz.

f0 = √(284 Hz · 2842 Hz) ≈ 899 Hz

5. Ergebnis prüfen. Die exakte Rechnung mit beiden Stufen und ihrer gegenseitigen Belastung ergibt:

Frequenzgang des Sprachband-Filters mit −0,9 dB in der Mitte, −2,9 dB bei 300 Hz, −3,3 dB bei 3 kHz und −15,2 dB bei 50 Hz; zum Vergleich zwei schmale Varianten mit 6,4 dB und 9,5 dB Verlust in der Mitte
Weit auseinanderliegende Eckfrequenzen ergeben einen flachen Durchlass. Rückt man sie zusammen, sinkt die Kurve, statt schmaler zu werden.

Bauteilliste

BezeichnerWert/TypHinweis
C1100 nF, Folie (MKS), 63 Vungepolt, Toleranz 5 bis 10 %
R15,6 kΩ, 1 %, 0,1 WMetallschicht oder SMD 0603
R256 kΩ, 1 %, 0,1 Wzehnmal R1
C21 nF, C0G (NP0), 50 Vstabil über Spannung und Temperatur

Varianten

Schmaler Bandpass. Rückst du fu und fo zusammen, wird die Kurve nicht schmaler, sondern niedriger. Mit 33 nF und 3,3 nF liegen beide Eckfrequenzen bei 861 Hz; in der Mitte bleiben −6,4 dB, weil jede Stufe dort schon 3 dB verliert, und die −3-dB-Bandbreite reicht noch immer von 345 Hz bis 2,1 kHz. Die Güte Q = f0 / B bleibt unter 0,5. Für ein schmales Band brauchst du einen Schwingkreis wie beim LC-Filter oder einen aktiven Bandpass mit Operationsverstärker.

Wien-Bandpass. Ein RC-Glied in Reihe, gefolgt von einem RC-Glied parallel gegen Masse, beide mit gleichem R und C. Bei f0 = 1 / (2π · R · C) ist die Phase null und die Ausgangsspannung genau ein Drittel der Eingangsspannung (−9,5 dB). Er hat dieselbe Übertragungsfunktion wie die gestrichelte Kurve oben und ist das Herz des Wien-Brücken-Oszillators.

Eine Versorgung statt zwei. Arbeitet die Schaltung an 5 V, liegt das Signal um eine Mittenspannung. Dann führst du R1 nicht an Masse, sondern an eine virtuelle Masse mit halber Versorgungsspannung, und C2 an Masse.

Mehr Steilheit. Zwei Hochpässe und zwei Tiefpässe hintereinander verdoppeln die Flankensteilheit auf 40 dB pro Dekade. Jede weitere Stufe muss wieder zehnmal hochohmiger sein; spätestens hier ist ein aktiver Hochpass mit einem Sallen-Key-Tiefpass die bessere Wahl.

Typische Fehler

  • Gleiche Impedanzen: Mit R2 = R1 verliert das Sprachband-Filter in der Mitte 1,6 dB statt 0,9 dB, und beide Eckfrequenzen wandern. Bei schmalen Filtern ist der Effekt viel größer.
  • Last vergessen: Ein Eingang mit 10 kΩ liegt parallel zu C2 und bildet mit R2 einen Teiler; das Signal schrumpft auf rund 15 %. Miss die Ausgangsspannung mit und ohne Last.
  • Hochohmige Quelle: Ein Innenwiderstand von 10 kΩ, etwa ein Potentiometer davor, liegt in Reihe mit C1 und verschiebt fu. Rechne ihn ein oder puffere die Quelle.
  • Bandbreite falsch abgelesen: Die −3-dB-Punkte des ganzen Filters liegen nicht genau bei fu und fo, sondern etwas außerhalb, weil schon die Mitte 0,9 dB verliert. Bezugspunkt ist das Maximum, nicht 0 dB.
  • Kondensatoren aus Y5V-Keramik: Ihr Wert schwankt mit Spannung und Temperatur um bis zu 80 %. Für Filter nimmst du Folie oder C0G.

Selbsttest

Wo liegt die Mittenfrequenz eines Bandpasses mit fu = 200 Hz und fo = 5 kHz?

f0 = √(200 Hz · 5 kHz) = 1 kHz.

Warum ist R2 im Beispiel zehnmal größer als R1?

Damit der Tiefpass den Querzweig des Hochpasses kaum belastet und beide Stufen fast so arbeiten, als wären sie allein.

Wie viel verliert ein entkoppelter RC-Bandpass in der Mitte, wenn fu = fo ist?

Etwa 6 dB, denn jede Stufe dämpft bei ihrer Grenzfrequenz um 3 dB.

Welchen Wert braucht C2, wenn fo mit R2 = 56 kΩ bei 5 kHz liegen soll?

C2 = 1 / (2π · 5 kHz · 56 kΩ) ≈ 568 pF; mit dem Normwert 560 pF wird fo ≈ 5,1 kHz.

Was tust du, wenn das Band nur 100 Hz breit sein soll?

Einen Schwingkreis oder einen aktiven Bandpass verwenden – ein passiver RC-Bandpass erreicht keine Güte über 0,5.