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Spannungsquelle: Leerlauf- und Klemmenspannung

Warum die Spannung einer Batterie unter Last sinkt – Ersatzschaltbild, Innenwiderstand, Leerlauf-, Klemmenspannung und Kurzschlussstrom.

5 Min. LesezeitSpannungsquelleLeerlaufspannungKlemmenspannungInnenwiderstand

Miss eine frische 9-V-Batterie ohne Last, zeigt das Multimeter vielleicht 9,4 V. Schließt du einen Motor an, sind es plötzlich nur noch 7,8 V. Die Batterie ist dabei nicht kaputt – jede reale Spannungsquelle gibt unter Last weniger ab, als sie im Leerlauf zeigt. Der Grund ist ihr Innenwiderstand. Mit einem einfachen Ersatzschaltbild kannst du dieses Verhalten berechnen, egal ob es um eine Knopfzelle, ein Labornetzteil oder einen Spannungsregler geht.

Ideale und reale Spannungsquelle

Eine ideale Spannungsquelle hält ihre Spannung konstant, ganz gleich, welcher Strom fließt. Sie würde bei einem Kurzschluss einen unendlich großen Strom liefern – deshalb gibt es sie nur auf dem Papier.

Eine reale Spannungsquelle stellst du dir als ideale Quelle mit der Spannung U0 vor – sie heißt auch Quellenspannung Uq –, in Reihe mit einem Innenwiderstand Ri. Beide sind nicht einzeln zugänglich: Von außen erreichst du nur die zwei Klemmen. Der Innenwiderstand fasst alles zusammen, was in der Quelle Spannung „kostet“ – bei einer Batterie die Chemie und die Elektrolytbahnen, bei einem Generator die Wicklung, bei einem Netzteil die Regelung und die Leitungen. In Datenblättern findest du ihn auch als Ausgangswiderstand oder Quellwiderstand.

Ersatzschaltbild einer realen Spannungsquelle mit Innenwiderstand und Lastwiderstand
Ersatzschaltbild: ideale Quelle U₀ mit Innenwiderstand Rᵢ, außen an den Klemmen der Lastwiderstand.

Leerlauf, Last und Kurzschluss

Mit Last bilden Innenwiderstand und Lastwiderstand RL eine Reihenschaltung. Der Strom ist

I = U0Ri + RL

Am Innenwiderstand fällt die Spannung Ri · I ab; für die Klemmenspannung bleibt

UK = U0 - Ri · I

Die Quellenspannung teilt sich also wie bei einem Spannungsteiler auf Innen- und Lastwiderstand auf. Zeichnest du die Zählpfeile ein, zeigt der Pfeil an Ri in dieselbe Richtung wie der an RL – beide Widerstände sind Verbraucher, durch die der Strom vom Plus- zum Minuspol fließt. Der Pfeil der Quellenspannung zeigt im Umlauf entgegengesetzt. Nach der Maschenregel gilt deshalb U0 = Ri · I + UK – umgestellt ist das die Gleichung oben.

Drei Fälle sind wichtig:

ZustandLastwiderstandStromKlemmenspannung
LeerlaufRL → ∞I = 0UK = U0
Belastung0 < RL < ∞0 < I < IKUK < U0
KurzschlussRL = 0IK = U0 / RiUK = 0

Die Leerlaufspannung U0 misst du also direkt, wenn kein Strom fließt – ein Multimeter mit 10 MΩ Eingangswiderstand kommt dem sehr nahe. Der Kurzschlussstrom IK ist der größte Strom, den die Quelle überhaupt liefern kann. Kennst du U0 und IK, folgt daraus umgekehrt Ri = U0 / IK.

Drei Schaltungen einer Spannungsquelle: Leerlauf, Belastung und Kurzschluss
Leerlauf, Belastung und Kurzschluss: Je kleiner der Lastwiderstand, desto größer der Strom und desto kleiner die Klemmenspannung.

Die Kennlinie der Quelle

Trägst du die Klemmenspannung über dem Strom auf, erhältst du eine fallende Gerade: Sie beginnt bei U0 (Leerlauf) und endet bei IK (Kurzschluss). Die Steigung ist -Ri. Jeder Lastwiderstand legt einen Punkt auf dieser Geraden fest, den Arbeitspunkt.

Kennlinie einer realen Spannungsquelle
Die Klemmenspannung fällt linear mit dem Strom – von U₀ im Leerlauf bis null beim Kurzschlussstrom.

Innenwiderstand messen

Weil du Ri nicht direkt erreichst, bestimmst du ihn aus zwei Messungen: einmal im Leerlauf (oder bei kleiner Last), einmal unter bekannter Last. Aus der Spannungsänderung und der Stromänderung folgt

Ri = ΔUΔI = U1 - U2I2 - I1
Messschaltung mit Zelle, Voltmeter, Schalter und 10-Ω-Lastwiderstand
Innenwiderstand messen: einmal mit offenem, einmal mit geschlossenem Schalter die Klemmenspannung ablesen.

Der Innenwiderstand ist keine feste Größe: Bei Batterien steckt er vor allem im Elektrolyten, durch den sich die Ionen bewegen müssen. Er steigt deshalb mit sinkendem Ladezustand, mit dem Alter und bei Kälte deutlich an. Deshalb springt ein Auto im Winter schlechter an – die Starterbatterie liefert den hohen Anlasserstrom nur mit größerem Spannungseinbruch. Mehr dazu in Primärelemente und Sekundärelemente.

Schaltzeichen

Im Schaltplan begegnen dir Spannungsquellen in mehreren Formen: die Batterie oder Zelle als langer (Plus) und kurzer (Minus) Strich, die allgemeine Spannungsquelle als Kreis mit einem Strich in Leitungsrichtung, der Generator als Kreis mit „G“ und einem Gleich- oder Wechselzeichen, und die Solarzelle (Fotoelement) als Zelle mit Lichtpfeilen. Für die Berechnung sind sie alle gleich: ideale Quelle plus Innenwiderstand.

Schaltzeichen für Zelle, Spannungsquelle, Gleich- und Wechselstromgenerator
Häufige Schaltzeichen für Spannungsquellen – gerechnet wird mit allen gleich: ideale Quelle plus Innenwiderstand.

Auch Leitungen sind Innenwiderstand

Aus Sicht der Last gehört alles vor ihren Anschlüssen zur Quelle: Zuleitungen, Steckverbinder, Schalter, Leiterbahnen. Ein dünnes USB-Kabel mit 0,3 Ω Hin- und Rückleitung lässt bei 2 A schon 0,6 V verschwinden – aus 5,0 V am Netzteil werden 4,4 V am Gerät. Ein Spannungsregler direkt an der Last oder eine Sense-Leitung am Labornetzteil gleichen das aus.

USB-Netzteil mit 5,0 V, Kabel mit 0,3 Ω und Gerät mit 4,4 V bei 2 A
Das Kabel wirkt wie zusätzlicher Innenwiderstand: Bei 2 A gehen an 0,3 Ω schon 0,6 V verloren.

Selbsttest

Eine Quelle hat 12 V Leerlaufspannung und 0,5 Ω Innenwiderstand. Welche Klemmenspannung liegt bei 4 A an?

UK = 12 V - 0,5 Ω · 4 A = 10 V.

Warum misst du die Leerlaufspannung mit einem hochohmigen Messgerät?

Damit praktisch kein Strom fließt und am Innenwiderstand keine Spannung abfällt.

Wie groß ist der Kurzschlussstrom einer Quelle mit 1,5 V und 0,3 Ω?

IK = 1,5 V / 0,3 Ω = 5 A.